Fruchtbare Fütterung

titel-stutenfuetterungZuchtstuten langfristig erfolgreich ernähren

Fohlen sind niedlich. Fohlen bedeuten Zukunft. Aber der Weg dorthin ist lang. Mindestens 11 Monate. Daher sollte sich jeder Züchter bereits vor der Bedeckung Gedanken über den prinzipiellen Ernährungszustand seiner Stute machen.

Folgende Äußerlichkeiten zeugen von einer schlechten bzw. fehlerhaften Ernährungsgrundlage, die einer Empfängnis und einem problemlosen Trächtigkeitsverlauf im Wege stehen:

  • stumpfes Haarkleid
  • schlechtes Hufhorn
  • verzögerter Fellwechsel
  • chronische Bronchitis
  • Mauke
  • Ekzem
  • Verdauungsstörungen

titel-logostute-klDiese - im weitesten Sinne - auf einem Vitalstoffmangel beruhenden Probleme müssen schon lange vor der Bedeckung der Stute ausgeglichen werden. Die Natur hat es so eingerichtet, daß sich eine Stute vom Fohlen trennt (die Frucht wird resorbiert), wenn nicht abzusehen ist, daß sie die folgenden 11 Monate von sich aus unbeschadet übersteht. Leichte Nährstoffmängel werden, wenn kein entsprechender Ausgleich stattfindet, in der Trächtigkeit verschlimmert.

Daher ist es in jedem Fall ungünstig, sich mit einem sich bereits im Mangel befindlichen Tier in das Zuchtgeschehen zu begeben und die nicht unwesentlichen Kosten für die Besamung auszugeben (siehe auch Pferdefütterung Meyer: „Die nichtlaktierende Stute soll zur Zeit der Belegung in einem guten bis sehr guten Futterzustand sein“). Das trifft vor allem für Stuten zu, die bereits schon mehrere Fohlen hatten und dadurch an Nährstoffen verarmt sind.

Jedes Kind kostet einen Zahn

titelthema-stuten2Auf dem Holzweg (oder am Ende der 70iger) befindet sich der, der glaubt, es handele sich alleine um Nährstoffe wie Calcium, Phosphor oder Vitamin A. Das gesamte Nährstoffspektrum ist nötig, um nach 11 Monaten ein gesundes Fohlen zur Welt zu bringen. Vor allem Spurenelemente wie Zink, Kupfer, Selen, Mangan und Jod spielen im gesamten Fruchtbarkeitsgeschehen, beginnend mit der Oogenese (Eientwicklung), der Rosseentwicklung und der Einnistung der Frucht eine bedeutende Rolle.

Warum Bewegung so wichtig ist

Aktiver Auslauf und Ausritte, das ganz normale Pferdeleben, sorgen für guten Appetit ohne Verfettung. Verfettete Pferde tun sich im Fruchtbarkeitsgeschehen sehr schwer, da ein Mißverhältnis zwischen Energie- und Vitalstoffzufuhr entsteht. Wird die Energie jedoch durch Bewegung oder Kälte abgebaut, stehen dem Pferd mehr Vitalstoffe für die Fruchtbarkeit zur Verfügung.

Eine primäre, das Pferd „satt“ machende Ernährung reicht – betrachtet man die 11 monatige Tragezeit – für die Entwicklung eines Fohlens nicht aus. Dem entgegen steht eine sekundäre Ernährung, die spurenelement- und vitalstoffreich für eine optimale Entwicklung des Fohlens ohne das Auslaugen der Stute sorgt.

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Foto: Peter Richterich

Fruchtbarkeit ist Schönheit

Glänzendes gesundes Fell, gute Hufe, ein gesundes wohlproportioniertes Pferd zeigt eine gute Versorgung mit Spurenelementen und Vitalstoffen an und verbessert die Aussicht auf eine erfolgreiche Bedeckung.

Die Gabe von kaltgepreßten Mischölen (z.B. aus Weizen- und Maiskeimen, Hanf- oder Schwarzkümmelöl) liefert natürliches Vitamin E und - früher als Vitamin F (wie Fruchtbarkeit) bezeichnete - mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Diese sind die Grundlage zur Bildung hormonähnlicher Botenstoffe, sogenannter Prostaglandine, die u.a. eine besondere Bedeutung im Fruchtbarkeitsgeschehen haben und u.a. von der Anwesenheit von Selen abhängig sind.

Fütterung der Stute vor der Konzeption

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Wallace ist ein Prachtkerl, der bereits
im Mutterleib optimal ernährt wurde.

ß-Carotin, organisch gebundene Spurenelemente, wie Zink, Kupfer und Mangan, sowie Ölfrüchte (vor allem Weizen- und Maiskeime) müssen bereits Monate vor der Bedeckung gefüttert werden. Eine optimale Versorgung mit diesen Stoffen verbessert die Aussichten auf eine Trächtigkeit ungemein und ist in Anbetracht der heutigen Deckkosten unumgänglich.

Fütterung der Stute 1. bis 4. Trächtigkeitsmonat

Um der Gefahr der Resorption vorzubeugen muß der Zinkbedarf der sich nicht im Mangel befindlichen Stute angepaßt werden (Bedarf eines Großpferdes: 400 mg/Tag).
Zink erfüllt wichtige Funktionen im Rahmen der Zellteilung, der Entwicklung und Differenzierung der embryonalen Zellen. Indirekte Effekte auf die Fruchtbarkeit ergeben sich aus der Bedeutung von Zink für die Futteraufnahme, die Immunabwehr und den Vitamin-A-Stoffwechsel.

Eine Energiezulage ist noch nicht nötig. Sinnvoll ist die extensive Weidehaltung von Stuten mit der Möglichkeit einer selektiven Grasaufnahme bei gleichzeitiger Zufütterung spurenelementreicher Futtermittel. Durch die Grasaufnahme sind der Vitamin A und E-Bedarf weitestgehend gedeckt.

Fütterung der Stute 4. bis 8. Trächtigkeitsmonat

Bei mäßig steigender Energiezufuhr wird auch hier eine vorwiegend vitalstoffreiche Fütterung Fohlen und Stute entgegenkommen. Die Spurenelementgabe spielt weiterhin ein große Rolle, z.B. für die Entwicklung der inneren Organe des Fohlens. Mit dem Eintritt des Fellwechsels und der kühleren Jahreszeit muß an eine Erhöhung der Energiezufuhr gedacht werden. Es empfehlen sich hier Fertigfutter mit einem hohen Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren und organisch gebunden Spurenelementen für den Haarwechsel.

Fütterung der Stute vom 9. Monat bis zur Niederkunft

Nun steigt der Energie- und Eiweißbedarf deutlich an. Wer seine Stute gut mit Spurenelementen versorgt hat, kann nun die Zufütterung der Mengenelemente forcieren. Für die Knochenbildung des Fohlens steigt der Bedarf an den Mengenelementen Calcium und Phosphor. Magnesium- und Selengaben beugen frühzeitigen Wehen vor.

Bei der Eiweißfütterung ist die Gabe hochwertiger Eiweiße einer nur prozentual hohen Eiweißversorgung vorzuziehen. Zu hohe oder einseitige Eiweißgaben (Stutenfutter über 16%) führen zu Leber- und Verdauungsproblemen und können u.a. die gefürchtete Hufrehe auslösen.

Aus diesem Grunde sollten unaufgeschlossene Getreidesorten (außer Hafer) vermieden werden. Insbesondere bei Mais sind flockierte und gepoppte Erzeugnisse nur einfach gebrochenem Mais vorzuziehen (siehe auch FJ Ausgabe 1 Thema Verdauung).

Am Tage der Niederkunft

Dieser für jede Stute schwere Tag sollte mit leichter Kost nach der Geburt begonnen werden. Dazu ist die Fütterung einer getreidearmen Mash-Zubereitung sinnvoll. Für das Kolostrum (Biestmilch) müssen die Vitamin A - Reserven aufgefüllt sein.

Beginn der Laktation

Nach der Geburt beginnt die Zeit der Laktation. Das Säugetier Pferd produziert Milch zur Ernährung des Fohlens. Diese Milch ist für das Fohlen überlebenswichtig und entscheidet über dessen Zukunft. Die Menge und die Inhaltsstoffe der Milch hängen vorwiegend von der Fütterung der Stute ab. Im Gegensatz zur Trächtigkeit gibt die Stute ab diesem Zeitpunkt nur noch die Vitalstoffe in die Milch ab, die sie auch entbehren kann. Stuten, die sich zu diesem Zeitpunkt in einem Nährstoffmangel befinden, können das Fohlen nicht ausreichend versorgen. Der Mangel wird so auf das Fohlen verschleppt. Die durchgehend gut und vitalstoffreich ernährte Stute wird sich mit der Verarbeitung der letzten Trächtigkeit sowie bei der nächsten Bedeckung leichter tun. Ebenso sind die Fohlen vitaler und gesünder.

Mangel an Spurenelementen im Fruchtbarkeitsgeschehen:

Zink

Kupfer

Jod

Unfruchtbarkeit
Aborte
Mumifikationen
Wehenschwäche
verminderte Konzeptionsrate
Unfruchtbarkeit
fetale Resorption
Anöstrus
Fruchtresorption
veränderter Östruszyklus
Abort

Mangan

Selen

Extremitätendeformation der Neugeborenen
veränderter Östruszyklus
verminderte Konzeptionsrate
mangelnde Rosse
verminderte Konzeptionsrate
Aborte
lebensschwache Neugeborene

Dr. Susanne Weyrauch