Was tun bei Übergewicht?
Sind sie nicht süß, die kleinen Wonneproppen auf ihren vier tapsigen Pfoten? Und weil es schon immer richtig war, wenn „etwas dran ist“, tut mancher Hundebesitzer gerade am Anfang eines Hundelebens oft bereits des Guten zuviel.
Aber schon hier wird der Grundstein gelegt, ob wir später einmal ein keuchendes „Moppelchen“ an der Leine hinter uns herziehen oder einem agilen beweglichen Begleiter, der vor uns her über die Wiese tobt, folgen. Also lösen wir uns von der Vorstellung, dass für spätere schlechte Zeiten besser ein paar Pfunde zuviel als Reserve auf den Rippen sein sollten ...
Wieviel Hund ist zuviel?
Nun, es gibt sicherlich genauso wenig wie bei den Menschen eine allgemeingültige Regel. Auch bei den Hunden gelten rassespezifische Körperformen und –gewichte. Hier gibt es ebenso die von Natur aus eher schlanken, denen man den offenen Futtersack hinstellen kann und die genau so viel fressen, wie sie benötigen, und die „leichtfuttrigen“, die nur vom Futter ansehen schon zunehmen. Ein Windhund hat eine andere Figur als ein Neufundländer. Als erster Anhaltspunkt gilt die Regel: man sollte die Rippen des Hundes unter der Muskelschicht mit der flachen Hand deutlich fühlen und in der Bewegung unter dem Muskelspiel sehen. Muß man die Finger durch eine weiche elastische Schicht tief eindrücken, um die Rippen ansatzweise fühlen zu können, hat der Hund bereits nach einem Spaziergang von 500 Metern keine Lust mehr oder fällt einem, wen man als Hundehalter auf den Rücken seines Hundes blickt, spontan der Begriff „afghanischer Sitzhocker“ ein, ist es an der Zeit, sich Gedanken zu machen, wie der Hund ein paar Pfunde los wird. Ein wichtiger Grund für das Abspecken ist sicherlich auch, dass der Bewegungsapparat durch die Mehrlast übergebührlich beansprucht wird und bereits viel zu früh Verschleißerscheinungen zeigt. Und wie beim Menschen ist Übergewicht auch bei Hunden ein Risikofaktor für Diabetes!

Viel Bewegung an der frischen Luft hält nicht nur Hunde schlank und gesund
Wie macht man es denn dann richtig?
Am besten ist es natürlich, wenn der Hund von Anfang an richtig gefüttert wird. Orientieren wir uns an seinen Vorfahren: der Wildhund frisst sein Beutetier mit Magen-Darminhalt und Blut. Neben Fleisch und Knochen nimmt er damit auch Pflanzen und Getreide in vorverdautem Zustand und über das Blut wertvolle Salze und Eiweiße auf. Früchte pflückt er sich je nach Angebot gerne selber. Das bedeutet für den Hundenapf: viel Fleisch, wenige aber qualitativ hochwertige Kohlenhydrate, Gemüse und Früchte, ausreichend Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, wenig Salz. Hört sich doch ganz nach dem menschlichen Speiseplan an, abgesehen davon, dass Gemüse und Früchte in der Reihenfolge mit Fleisch vertauscht sind! Physiologisch sind sich beide Spezies eigentlich gar nicht so unähnlich. Ab und zu darf der Hund natürlich auch mitnaschen – warum sollten Joghurt, Quark, Obst in jeder Form schädlich sein ? Und wenn es denn dann und wann mal ein Stück Schokolade oder Grillsteak sein darf – warum nicht?! Das Problem ist hier sicher eher das Erziehen zum Betteln – einmal vom Tisch, immer vom Tisch! Also bitte diese absolute Extrabelohnung nicht während der normalen Tischzeiten und am besten im Hundenapf.
Und wenn dann doch die Diät fällig wird?
Kalorienreduktion wie beim Menschen ist angesagt! Dies sollte aber nicht – wie beim Menschen - nach der f.d.H.-Regel erfolgen. Warum er plötzlich nur noch den halben Napf voll hat, versteht der Hund nämlich nicht. Also muss man mit Tricks arbeiten. Der Napf sollte annähernd so voll sein wie vorher auch – aber viel weniger Kalorien drin! Das erreicht man durch mageres Fleisch wie Huhn oder Lamm, Rinderlunge, wenig Kohlenhydrate, Gemüse – und viel Wasser. Pansen enthält übrigens mehr Fett als man glaubt. Und als Belohnung zwischendurch tut’s ein Stück Apfel, Karotte, Trauben oder Knäckebrot. Täglich mehrmals stramme Bewegung gehört wie beim Menschen auch zur Hundediät. Verbrennt Kalorien und lenkt vom Magenknurren ab! Hunde, die so gar nicht verstehen, weshalb man sie plötzlich aus ihrer Sicht verhungern lässt, sind äußerst findig, was die Organisation von Essbarem angeht.
Selbst neu angebrachte Magnetverschlüsse mit einer Zugkraft von 60 kg an der Spülenunterschranktür hielten meinen Boxer-Shiba Inu-Mix nicht davon ab, den Bioabfalleimer nach Essbarem zu untersuchen ...
Sie sehen also, ich selbst habe auch einen Hund, der ständig einen Kampf mit seinem Übergewicht um seine Taille führt. Daher mein Tipp: auch wenn es schwer fällt, von Anfang an hart bleiben ist besser als später den verzweifelten Blick ertragen, weil die Kühlschranktür eben doch nur der Mensch aufmachen kann ...
Cordula Becker










