Von der Küche bis in die Apotheke

kraeuter-thymian-1Thymian

Den aromatischen Duft des Thymians wahrzunehmen, ist uns nur in seiner Heimat –dem Mittelmeerraum– möglich, wo der echte Thymian (Thymus vulgaris) noch wild wächst. Von dort kam er im Mittelalter über die Alpen durch Benediktiner-Mönche zu uns.

Neben dem Gebrauch als Heilpflanze findet er auch in der Küche vielfältige Verwendung. In Leberwurst, Leberknödeln und zu allen Arten von Fleischgerichten fügt sich sein Aroma harmonisch ein. Doch schon lange zuvor wussten die Römer und Griechen die guten Eigenschaften dieser Arznei- und Gewürzpflanze zu schätzen.

Das Symbol der Kraft

logostuteVermutlich rührt der Name Thymian von griech. „Thymos“ (Mut) her. So trugen die Spartaner, wenn sie in die Schlacht zogen, Stirnkränze aus Thymian, um ihren Heldenmut zu beflügeln. Die Römer wiederum nahmen ein wohltuendes Thymianbad zur Stärkung von Körper und Geist und rieben sich anschließend noch zusätzlich mit seinem Öl ein. Auch streute man das Kraut als Beschützer vor Fäulnis unter die wertvollen Getreidevorräte. Diese Eigenschaft kannten auch die Ägypter, die bevorzugt ihre Toten mit Thymianöl einbalsamierten.

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Thymian. Quelle: Prof. Dr. Otto Wilhelm Thomè - Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz - 1885, Gera, Deutschland

Nur der echte Thymian eignet sich für Arzneizwecke

Es gibt verschiedene Thymianarten. Zu den bei uns heimischen Arten zählt der Quendel. Der echte Thymian wächst bei uns allerdings nur in Gärten, v.a. in Steingärten. Er bevorzugt eher karge, trockene Böden, viel Sonne und benötigt im Winter einen Frostschutz z.B. durch Reisig. Das Lippenblütlergewächs erreicht bis zu 40 cm. Der immergrüne Strauch ist stark verästelt und im unteren Teil holzig. Die ellipsenförmigen Blätter sind am Rand stark eingerollt. Die endständigen rosa-violett bis rötlichen Blüten zeigen sich den ganzen Sommer. Für Arzneizwecke verwendet man die (schattig) getrockneten Blüten und Blätter. Die wirksamen Bestandteile sind v.a. die ätherischen Öle Thymol und Carvacrol, die in den Drüsenhaaren der Blätter gebildet werden.

Eigenschaften und Wirkstoffe auf einen Blick

Der Thymian ist reich an Sekundären Pflanzenstoffen. Neben Thymol, Carvacrol und anderen Phenolen enthält er noch ca. 20 weitere Flavonoide. Thymol und Carvacrol wirken antibakteriell, krampflösend und sekretfördernd. Die Kombination mit den anderen Phenolen und Flavonoiden ermöglicht eine entzündungshemmende und immunstimulierende Eigenschaft des Thymians.

Wie fast alle Kräuter enthält auch Thymian viel Eisen, gleich gefolgt von Zink. Daneben findet sich auch Mangan, Kupfer, Calcium und Magnesium.

Thymian beinahe ein Tausendsassa

Die Wirkungen des Thymians sind sehr weitreichend. Thymiankraut oder sein Extrakt wird hauptsächlich innerlich verwendet. Eine Entzündung der Bronchialschleimhaut (Bronchitis) kann durch Viren, Allergie, chemische oder mechanische Reizung und Gifte verursacht werden. Besonders im Bereich der Atemwege leistet dann Thymian wertvolle Dienste. Er fördert die Abgabe von Flüssigkeit in die Bronchien und die Transportfunktion kleiner Hährchen der Bronchien (Flimmerhährchen). So wird festsitzender Schleim verflüssigt und mit dem Abhusten als Reinigungsvorgang ausgeworfen. Gleichzeitig wirkt Thymian entkrampfend, so dass der Husten nicht so anstrengend wird. Die krampflösende Eigenschaft ist aber nicht auf den Bereich der Atemwege beschränkt, sondern gilt für alle Arten von Krämpfen.

Atemwegsproblematiken wie Asthma, Lungenentzündung und auch Reizhusten (z.B. aufgrund einer Allergie) sind mit Thymian beeinflussbar. Die entzündungswidrige Eigenschaft kommt ebenso dem Magen-Darm-Trakt zugute und hilft zusätzlich gegen Geschwüre. So sagt man dem Thymian einen verdauungsregulierenden und appetitfördernden Charakter nach.

Für das Innere, für das Äußere und für den Geist

kraeuter-thymianDie ätherischen Öle bekämpfen Bakterien, Viren und Pilze, daher ist Thymian auch äußerlich angewendet zur Wunddesinfektion geeignet. Das Immunsystem profitiert durch die angeregte Produktion weißer Blutkörperchen und der Stimulation des Kreislaufs. Nicht zu unterschätzen sind auch die allgemein vitalisierenden, stimmungsaufhellenden und nervenstärkenden Eigenschaften dieser Mittelmeerpflanze. Und sicherlich ist es auch ein Teil der vom Thymianstrauch so geliebten Sonne, deren gespeicherte Energie zur Belebung von Körper, Seele und Geist beiträgt.

Christine Bauer