Antioxidantien

medizin-antioxidantienIn den Zellen herrscht Krieg

Wir befinden uns bereits im Jahrhundert der Antioxidantien. Sie erhalten uns und die Pferde jung, vital und gesund. Antioxidantien werden auch Radikalfänger genannt. Der Bedarf an Antioxidantien steigt in Streßsituationen, bei Erkrankungen und im Alter.

Rigorose Radikale

logostuteIn den Zellen tobt ein ständiger Krieg. Der Kampf der Guten gegen die Bösen. In allen lebenden Körpern laufen ständig unzählige chemische Stoffwechselvorgänge ab. Nach dem Motto: „Wer viel arbeitet, macht viele Fehler“ passieren dabei immer wieder Fehlreaktionen, die sich biochemisch im Umherirren von sogenannten „freien Radikalen“ zeigen. Das sind einsame Elektronen, die den Anschluß an ein Molekül verloren haben und mutterseelenallein einen Partner suchen. Dabei gehen sie so rigoros vor, daß sie ohne Rücksicht auf irgendwelche Atome oder Molekularstrukturen in eine Beziehung einbrechen, um sich von dort ihren Elektronen-Partner zu entreißen. Dabei zerstören sie Moleküle, Zellmembranen, bringen Stoffwechselvorgänge durcheinander und stiften überall Unfrieden. Das Problem: das vom Radikal zerstörte Molekül wird wie im billigen Vampirdrama auch zum Radikal, weil auch hier ein einsames, freies Elektron zurückbleibt. Nicht verschont bleiben vor allem die empfindlichen Fettsäuremoleküle (Phospholipidstrukturen) der Zellmembran. Ihre Zerstörung kann so zum Zelltod führen.

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Hochleistungssport erhöht den Nährstoffumsatz und damit den Bedarf an bestimmten Vitaminen und Spurenelementen

Sie lauern in der Umwelt

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Viele Antioxidantien dienen als Farb-
lieferanten für Pflanzen

Freie Radikale werden neben Stoffwechselvorgängen ebenso durch die Nahrung oder durch Umweltgifte zugeführt. Bei jedweder Strahlung entstehen gefährliche, das Erbgut schädigende und den Körper zerstörende Radikale. Sonnenlicht, Luftverschmutzungen, Röntgen- oder atomare Strahlung, Pestizide, Nahrungsmittelzusätze, beim Menschen Tabak und Alkohol, sowie viele Medikamente setzen im Körper freie Radikale frei. Auch extreme körperliche Belastung, Streß und Allergene (Allergie verursachende Stoffe) erhöhen den Anteil an freien aggressiven Elektronen.

Für die Entstehung von Stoffwechselkrankheiten, Arthrose, Leberproblemen und sogar Krebs wird mittlerweile die Belastung mit freien Radikalen verantwortlich gemacht. Freie Radikale werden mit mehr als 200 Erkrankungen in Verbindung gebracht, u. a. mit Herz- und Gefäßerkrankungen, Senilität, grauem Star oder Bauchspeicheldrüsenentzündung. Und die Liste wächst ständig. Freie Radikale können einen entscheidenden Einfluß auf die Entwicklung vieler Krankheiten nehmen und schon bestehende Erkrankungen wesentlich verschlimmern. In einigen Fällen sind freie Radikale sogar der unmittelbare Auslöser für die Erkrankung. Ein Beispiel dafür ist die Entzündungsreaktion, bei der Abwehrzellen körpereigenes Gewebe angreifen. Dies ist bei bestimmten Fällen chronischer Arthritis der Fall.

Opferung statt Kampf

Aber wo das Böse ist, ist das Gute nicht weit. Es ist wieder eines der Wunder des Lebens: Ein unglaublich positives Stoffwechselgeschehen.

Es gibt unzählige Substanzen, die in der Lage sind - unter Aufopferung ihrer selbst -, diesen Radikalen die Gefährlichkeit zu nehmen, in dem sie ein Partnerelektron verschenken, ohne dabei selbst zum gefährlichen Radikal zu mutieren. Es sind die sogenannten Radikalfänger, die Antioxidantien. Moleküle, die freiwillig ein Elektron abgeben, um ein Radikal glücklich zu machen. Die Antioxidantien werden - chemisch gesehen - oxidiert (sie geben ein Elektron ab) und verhindern so die Oxidation und damit Zerstörung lebenswichtiger Molekülstrukturen. Das Radikal selbst wird reduziert (erhält ein Elektron) und gibt sich damit zufrieden. Dieser fast religiös anmutende Vorgang bewahrt Lebewesen vor Unwohlsein und frühem Tod.

Die Klassiker

Klassische Antioxidantien sind die Vitamine A, C und E. Während Vitamin A vor allem aggressive Sauerstoffradikale abfängt, kann Vitamin C die Wirkung von Vitamin E regenerieren und damit das seltenere Vitamin E schonen. Vitamin E hat vor allem die Aufgabe, die Fettsäuren zu schützen.

Die Enzyme

medizin-antioxidantien2Viele Enzyme haben eine antioxidative Wirkung. Besonders bekannt ist die Glutathionperoxidase, die mithilfe des Spurenelementes Selen den Zellkern vor genetischer Entartung durch Radikale schützt. Das Enzym Superoxiddismutase gehört ebenso zu den Antioxidantien. Seine Wirkung im Körper ist mannigfaltig. In gefährlichen Situationen, z.B. im Streß, bei Strahlentherapien, aber auch im Sport werden diese Enzyme gebraucht. Mit ihrem Einsatz steigt auch der Bedarf an CoEnzymen, im Fall der Superoxiddismutase an Zink, Kupfer, Eisen und Mangan.

Sauerstoff - Leben und Tod in Einem

Freie Radikale greifen alles in ihrer Reichweite an und zerstören zelleigene Moleküle. Ähnlich wie ein Auto durch den Angriff von Sauerstoff rostet, kann auch unser Körper durch Sauerstoff zerstört werden. Paradoxerweise ist Sauerstoff ein zweischneidiges Schwert: Einerseits können wir nur wenige Minuten ohne Sauerstoff überleben, andererseits kann Sauerstoff unsere Zellen zerstören, sobald er in freie Radikale umgewandelt wird. An dieser Stelle setzen die Carotinoide und Vitamin A an. Sie sorgen dafür, daß freie Sauerstoffradikale entschärft werden.

Gemüse und Früchte

Zu den Antioxidantien gehören ebenso Carotinoide, Polyphenole und Sulfide, die in Gemüse, vor allem Kohlarten, Zwiebelgemüsen, Rote Beete und Möhren enthalten sind. Lycopin ist ein Carotinoid, das hauptsächlich in Tomaten und Hagebutten vorkommt. ß-Carotin wir im Körper zu Vitamin A aufgebaut. Mit natürlichen ß-Carotinen wird das ganze Spektrum an Carotinoiden abgedeckt. Es ist dadurch künstlichem Carotin überlegen. Flavonoide aus Gemüsen und Obst sind sogar in der Lage, in die Signalübermittlung der Zellen einzugreifen und das Zellwachstum zu steuern.

Traubenkerne

Procyanidin B2, Catechin und Epicatechin sind cyclische Polyphenole. Sie sind im kaltgepressten Traubenkernöl enthalten und gehören ebenso zur Gruppe der Antioxidantien. In seiner die Oxidation verhindernden Wirkung soll Procyanidin 18,4 (!) mal stärker als Vitamin C und 50 (!) mal stärker als Vitamin E sein!

Die beste Möglichkeit für Mensch und Tier die Antioxidantien durch die Ernährung zuzuführen, bzw. im Fall der Enzyme zu bilden ist der Verzehr von vitalstoffreichen Grundkomponenten. Was beim Menschen vor allem Gemüse, Salat und Obst sind, sind beim Pferd Kräuter, Ölfrüchte, Obsttrester und Rüben. Allerdings besteht in der Regel ein deutlicher Unterschied zwischen der Menge an antioxidativen Vitaminen, Vitaminoiden und Spurenelementen, die erforderlich ist, um mangelbedingte Symptome zu verhindern, und den wesentlich höheren Dosen, die für einen optimalen Schutz gebraucht werden.

Dr. Susanne Weyrauch