Zweite Chance

rasseportrait-traberVom Traber zum Reitpferd

Die Stars vor dem Sulky beginnen ihre Karriere oft bereits als Zweijährige. Bei vielen ist die Laufbahn oder sogar ihr Leben als Heranwachsender beendet - oder es gibt eine zweite Chance als Reitpferd. Der Traber ist um seiner Gutmütigkeit, seines Fleisses, seines Gangtalentes und seiner Härte zum beliebten Freizeitpferd avanciert.

Zum Typ

logostuteDer Traber ist ein meist im Vollbluttyp stehendes mittelgroßes Pferd, braun oder schwarzbraun, hat eher steil gestellte Gliedmaßen, eine abfallende Kruppe und ein eher leichtes Fundament mit kleinen Hufen. Seltener findet man Füchse und Schimmel, allerdings gibt es auch Pferde im Ponytyp oder vom spanischen Typus, oft mit reichlich Langhaar, zum Teil sogar mit Kötenbehang ausgestattet. Durchschnittlich erreicht der Traber ein Stockmaß von 1,55 m, Variationen liegen auch zwischen 1,44 m und 1,75 m.

Zur Geschichte

1855 fand auf dem Münchener Oktoberfest das erste dokumentierte Trabrennen statt. Damals ritt man die Traber noch während des Rennens. Erst 1867 wurde das erste, nach amerikanischem Vorbild gefahrene Rennen über eine Distanz von 4164 m von einem 8-jährigen Orlow Traber gewonnen.

Amerikanische Traber waren schneller und frühreifer und so wurde schon vor dem Ende des 19. Jahrhunderts begonnen, amerikanische Trabrennpferde (sogenannte Standardbreds) für die deutsche Zucht zu importieren. Bis zum heutigen Tage gehen die bedeutendsten Deckhengste des Trabrennsports auf amerikanisch gezogene Hengste zurück. Neben dem amerikanischen gibt es auch einen französischen und russischen Einfluss auf die deutsche Renntraberzucht, allerdings ist der Bluteinfluss des Standardbred eben deutlich größer.

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Töltende Traber nehmen mittlerweile an Gangpferdeturnieren teil

Ganggenetik

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Gutmütigkeit, Willigkeit und Fleiß
gehören zu den Charaktereigen-
schaften, die den Traber zum
beliebten Freizeitpferd avancierten.

Der American Standardbred wird sowohl in Trab- als auch in Passrennen eingesetzt. Die Pferde entstammen einer gemeinsamen Zuchtgrundlage, aus der sich auch in Amerika der Tennessee Walker und Linien des amerikanischen Saddlebreds gebildet hat, beide Rassen gehören zu den Gangpferden.

Fast alle amerikanischen Traber führen einen Schuss „Pacerblut“ für den Speed (die Pacer = Passer sind schneller). Manch ein Pferd läuft auch Rennen in beiden Kategorien, wird dann jedoch anders trainiert und beschlagen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sehr viele der deutschen Renntraber durch den Einfluss des Standardbreds nicht nur schnell traben können, sondern auch eine Veranlagung zu lateral verschobenen Gängen (sprich Walk, Tölt, Foxtrott, Rennpass) besitzen.

Töltende Traber

Diese Veranlagung entdeckte in den 70er Jahren die Islandpferdereiterin und bekannte Autorin Ursula Bruns und begann damit, einige Ex-Traber umzuschulen für den Freizeit- und Gangpferdereiter. Auch Lothar Schenzel, damals noch Mitarbeiter im FS Reitzentrum in Reken, versuchte schon 1970 auf einer Equitana mit seinem Auftritt mit vier Töltenden Trabern mit unterschiedlichen, teils gebisslosen Zäumungen, auf diese Pferde aufmerksam zu machen.
Seit dieser Zeit machten es sich einige enthusiastische Traberfans zur Aufgabe, diese Pferde bekannter zu machen, deren natürliche Gangveranlagung auszubilden und zu fördern. Es gründete sich vor rund 10 Jahren eine Interessengemeinschaft Töltende Traber (www.ToeltendeTraber.de).

Die Aus-(Um-)bildung

Für viele Traber eine gute 2. Chance im Leben. Reaktiv, leistungsbereit und athletisch haben sie eine Fahrausbildung vor dem Rennsulky erhalten und sind oft gut erzogen, höflich und brav. Sie zu Reitpferden auszubilden, ist sicher keine Aufgabe für einen Anfänger oder ängstlichen, unsicheren Reiter.

Aber nach mehrmonatiger sorgfältiger und fachkundiger Ausbildung, sind diese Pferde oft phantastische Freizeit- und Sportpartner. Oft werden Traber aufgrund ihres Springtalentes oder ihrer Trittsicherheit als Jagd- oder Distanzpferde geschätzt. Ihr flotter und raumgreifender Schritt erfreut so manchen Wanderreiter und auch viele Distanzreiter wissen die Härte und das besonders gute Herz-Kreislaufsystem des Trabers, gepaart mit enormem Leistungswillen, zu schätzen.

So ist auch ruhiges entspanntes Reiten im Schritt anfänglich alles (und schon viel), was zusätzlich zur Bodenarbeit verlangt werden kann – das kann aber auch schon ein netter Schritt-Ausritt im Gelände mit anderen Pferden sein! Wenn die Pferde an der Longe gelernt haben, ihre Füße zu sortieren, taktklar über den Rücken zu traben und sich beizuzäumen, wird auch beim Reiten mehr verlangt. Der Schenkelgehorsam wird erarbeitet, die Pferde leicht gebogen und gestellt, so dass sie nicht mehr so über die Schultern fallen, (das können Traber besonders gut) und es wird auf größeren gebogenen Linien getrabt. Der Galopp ist meist ein gangpferdetypischer Viertaktgalopp, er lässt sich auch am besten auf einer gebogenen Linie (Zirkel) und einer Verkürzung entwickeln, d. h. wenn die Pferde an der Longe auf ein phonetisches Signal auf beiden Händen mäßig ruhig galoppieren können, beginnt man auch unter dem Sattel auf dem Zirkel zu galoppieren (günstig ist eine klare, äußere Anlehnung z. B. in einem Roundpen). Dabei ist darauf zu achten, dass die Pferde nicht „auseinanderfallen“ und in den Trab „stürzen“. Manchmal stellt man den Galopp auch zurück, wenn man den Tölt fördern will, da sonst schneller die Gefahr einer Galopprolle im Tölt entstehen kann, außerdem lassen sich manche Traber nach der Töltförderung besser setzen, haben gelernt, kleinere Schritte zu machen und sich zu tragen und lassen sich dann auf einmal auch einfacher galoppieren!!

Pferde mit Nerv und Höflichkeit

 

Traber haben eine gewisse Höflichkeit, einen aufmerksamen, den Menschen respektierenden Umgang und sind leicht erziehbar. Besonders beeindruckt den Traber-Fan die enorme Kooperationsbereitschaft, das „Mitdenken“. Traber haben - vorausgesetzt einer entsprechenden Fütterung - extrem gute Nerven. Schließlich mussten sie auch im stressigen Trabrennen einen kühlen Kopf bewahren. Paniker fielen in den Galopp, waren damit erfolglos im Rennen und durften sich nicht weitervererben. So fand eine Selektion auf Härte, Schnelligkeit und Ausdauer, sowie auf psychische Belastbarkeit statt. Dies macht die Pferde sehr „brauchbar“ und „alltagstauglich“!

Fütterung

Traber sprechen rasend schnell auf qualitativ hochwertige Fütterung an. Ausführliche Blutanalysen incl. Spurenelementprofile zeigen oft eine Unterversorgung an wichtigen Nährstoffen. Der sportliche Stress in jungen Jahren geht nicht einfach an ihnen vorbei, zudem wird in die Aufzucht von Trabern weniger investiert als in die Vollblutzucht, die im Normalfall extremes Augenmerk auf die Fütterung und Haltung ihrer Schützlinge legt. Da die Traber jedoch meist als junge Individuen von der Rennbahn kommen, können die meisten Ernährungsmängel ausgeglichen werden. Niemals zu vergessen ist jedoch, dass die Pferde für den Hochleistungssport gezüchtet wurden. Dem hohen Bewegungsdrang sollte mit sinnvoller Arbeit begegnet werden (z.B. in Form von langen Spazierritten, Kutschfahrten, Dressurarbeit etc.). Dabei muss man allerdings Rücksicht darauf nehmen, dass sie für verkürzende Übungen deutlich mehr Arbeit und Zeit brauchen, als dafür gezüchtete Pferde, wie z.B. Warmblüter oder Spanier. Auf den Dressurprüfungen der Gangpferdeszene, sogenannten Rittigkeitsprüfungen, sind Traber bisher schon recht erfolgreich vorgestellt worden.

Ellen Vierhaus