Pro und Contra

titel-futterration3Die Rationsberechnung hat ihre Grenzen. Wir haben es mit drei unbekannten Variablen zu tun, die eine Rationsberechnung erschweren:

  • Der individuelle Nährstoffbedarf ist nicht genau bekannt.
  • Die genaue Nährstoffzufuhr ist teilweise nicht ermittelbar bzw. nicht bekannt.
  • Die genaue Nährstoffresorption ist nicht bekannt.

Vorliegende Bedarfswerte sind meist Schätz- oder Richtwerte, die oft von anderen Tierarten auf das Pferd übertragen worden sind. Zwischen deutschen und amerikanischen Bedarfswerten, nur um ein Beispiel zu nennen, liegen teilweise deutliche Unterschiede. Individuelle Faktoren, wie Alter, Haltungsweise, Krankheit, Leistung, Streß können nicht wirklich beurteilt oder berücksichtigt werden. Synergieeffekte sind zum größten Teil unbekannt und können nicht in Zahlen erfaßt werden (Zum Beispiel: Mangan kann teilweise durch Magnesium; Chrom teilweise durch Zink ersetzt werden).

Der Bedarf an Sekundären Pflanzenstoffen, u.a. Flavonoiden, Polyphenolen etc. ist nicht bekannt. Der genaue Gehalt an Nährstoffen in Futtermitteln ist nicht bekannt. Die Zusatzstoffe auf den Sackanhängern von Fertigfuttermitteln (Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente) geben nur zugesetzte Nährstoffe, nicht jedoch bereits nativ enthaltene Nährstoffe an.

Die Futterverwertung von Pferd zu Pferd ist denkbar unterschiedlich, vergleiche man nur leicht- mit schwerfuttrigen Pferden. Die Nährstoffresorption ist abhängig von den Bindungsformen einzelner Nährstoffe, einer bisher unbekannten Größe.

Rationsberechnungen bieten eine sehr gute Groborientierung. Allerdings warne ich vor blindem Vertrauen in diese Berechnungen, da nicht alle ernährungsphysiologischen Faktoren berücksichtigt werden können. Es gilt immer noch die jahrhundertealte Aussage: „Das Auge des Herrn füttert das Pferd“.

Die Rationsberechnung hat Zukunft

Könnte man davon ausgehen, daß tatsächlich optimale individuelle Bedarfswerte auch im Bereich von Spurenelementen und Vitaminen, Sekundären Pflanzenstoffen und Enzymen ermittelbar wären und hätte man tatsächlich Kenntnis über wahrhaftig enthaltene Inhaltsstoffe in Futtermitteln und wüßte man noch mehr über Nährstoffresorption, Bindungsformen und Synergieeffekte, könnte man von einer Grob- zu einer Feinorientierung kommen. Damit wären durch die Rationsberechnung auf alle Fälle neben einer besseren Futterverwertung (Futterreduzierung und Kostenreduzierung) ein gesünderes Pferd zu erwarten. Weniger Verdauungsstörungen, weniger Tierarztkosten in Anbetracht der vielen ernährungsbedingten Erkrankungen wären an der Tagesordnung und so manche chronische Krankheit würde erleichtert. Ausgewogen ernährte Pferde zeigten uns mehr Motivation und Leistungsfähigkeit in Form eines ausgeglicheneren Temperamentes bei besserer Rittigkeit.

Dr. Susanne Weyrauch