Klar im Kopf

HansPeeck1Bei Hans Peeck in Bärendahl im Sauerland wird Trakehnerzucht zur hohen Kunst

Mein Vater erzählte mir in meiner Kindheit tausend Geschichten von der Trakehnerzucht auf Schloss Basedow nahe dem Malchiner See, wo man in den Zwanziger Jahren bis zu 6o Trakehnerstuten hatte, als er seine landwirtschaftliche Ausbildung absolvierte.

logostuteLeuchtende Augen bekam er, wenn er von dem hohen Blutanteil beim Trakehner schwärmte und von den unglaublichsten Vollblut- und Araberpferden, die man auf dem Hauptgestüt zur Veredlung und Blutauffrischung hielt.

Wenn man zu Hans Peeck nach Bärendahl kommt, dann werden diese Geschichten schnell lebendig. Die Autorin Felicitas Tank beschreibt das so:”Und dann sah ich von oben auf einer saftigen Weide einen hellen, von arabischem Glanz geprägten Blitz mit einem goldenen Sonnenstrahl an der Seite vorbei galoppieren: Saaletal, die Schimmeltochter der Saaleck aus dem Vollblüter Narav Ibn Aswan ox aus dem russischen Staatsgestüt in Tersk mit ihrer fuchsfarbenen Tochter Saalemärchen. Im ersten Augenblick dachte ich, die aus Trakehnen stammende herrliche Paraea, die einst mit ihrem Besitzer Curt Krebs-Schimmelhof den arabischen Flair ihres Grossvaters Fetysz ox in den Westen rettete, mit ihrer später so berühmten und viel ausgezeichneten Tochter Perpetua sei wieder auferstanden.” Betty Finke, eine andere Autorin sieht Hans Peeck in der Tradition von Taukenischken, eben jenem Vorwerk von Trakehnen, das die Blutbank des Hauptgestüts war und meinem Vater so leuchtende Augen machte.

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Meisterlicher Schachzug

HansPeeck2Hans Peeck nun macht sich für seine Zucht farbige Zeichnungen von Pedigrees, in denen er versucht, “die Blutströme sichtbar zu machen”. Sind sie erst einmal sichtbar, können daraus Visionen entwickelt werden, die sich in seinem Fall oft materialisieren. Hans Peeck verfügt scheinbar neben der züchterischen Kompetenz, über eine Art intuitiv künstlerischen Zugang zur Pferdezucht. Obwohl er sich selbst nie als Künstler betrachten würde, kann er scheinbar wie ein Bildhauer seine Visionen formen. Hat er erst einmal die Blutströme sichtbar gemacht, geht er in die Tiefe und verbindet dort Fäden. Denn er paart Qualitäten vergangener Generationen miteinander und weil er ein Künstler ist, gelingt ihm Zauberhaftes. “Einen wahrhaft meisterlichen Schachzug machte er mit der Anpaarung seiner Stute Saaleck mit dem Hengst Finley M. Das Stutfohlen Saalestern sorgte für Stürme der Begeisterung und wurde zu einem der höchst bewerteten Fohlen in Westfalen.” Weiter:”Züchter Peeck hat durch die Kombination von theoretischem Pedigreedenken und züchterischer Kompetenz etwas ganz Besonderes hervor gebracht. Der Mut, auf einen so hohen Blutanteil zu setzen, wurde belohnt, denn das arabische Vollblut der Mutterseite verbindet sich mit dem englischen Vollblut der Grossvaterseite auf perfekte Weise.” Wahrscheinlich gab es da auch noch etwas auf der Urgrossmutterseite, was Hans alleine sah und uns aber verschweigt. Er sieht eben die Blutströme fliessen. “Blut ist der Saft, der Wunder schafft”. Und diese alte Weisheit ist der zentrale Zuchtbegriff von Hans Peeck.

Klein aber fein

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Burnus im Alter von 28 Jahren

Die Anzahl seiner züchterischen Objekte bleibt dabei überschaubar. Hans Peeck betreibt sein Gestüt mit einer, öfter zwei und selten drei Stuten. Zu seinem Konzept und seiner züchterischen Verantwortung gehört auch immer ein Spitzenhengst, der in Bärendahl seinen Lebensabend verbringt, aber auch immer Teil der Ideen und Visionen von Hans Peeck ist. Der legendäre Burnus verbrachte seine 15 letzten Jahre auf dem Hof in unglaublicher Vitalität und war Bestandteil des züchterischen Konzepts und Teil des Grundstocks seiner jetzigen Zucht. Andere Hengste wie Erlkönig folgten. Heute steht in Bärendahl bei Halver der Vollblüter Lenz xx.

Hans weiss sich im Kleinen zu arrangieren. Dabei behilflich ist ihm oft seine Begeisterungsfähigkeit und seine Gradlinigkeit. Wenn er eine Idee klar im Kopf sieht, entwickelt er alle Kreativität, um sie zu verwirklichen. So erzählt er stolz, wie es ihm gelang, den Besitzer eines Hengstes, dessen Decktaxen im fünfstelligen Bereich lagen, durch seinen züchterischen Idealismus davon zu überzeugen, dass seine Stute unbedingt mit diesem Hengst gekreuzt werden muss. Zu einem Preis, der nicht höher als die üblichen Deckgelder war und er sich leisten konnte.

Mitbegründer der deutschen Freizeitreiter

HansPeeck5Hans Peeck ist durch und durch ein eigener Kopf und immer ein Vorkämpfer gegen die sogenannte Obrigkeit. So hat er Anfang der siebziger Jahre mit lautstarken Aktionen darauf aufmerksam gemacht, dass das Reiten im Wald verboten werden sollte. Aus diesen Aktionen gründete sich sich damals die Vereinigung Deutscher Freizeitreiter, heute mit einer halben Million Mitglieder. Hier war er wichtiges Gründungsmitglied. Auch hier kann man mit dem richtigen Blick den “Künstler” sehen, der an irgendwelchen Fäden zieht, die viel bewegen. Und er lehrt uns ein einfach nachvollziehbares Beispiel direkter Demokratie. Aber Hans Peeck ist eben ein durch und durch engagierter Mensch.

Um Jahre voraus

HansPeeck4Es ist meistens nicht sehr einfach, wenn man seiner Zeit voraus ist. Hans Peeck war in dieser Hinsicht schon immer besonders hartnäckig. So wie er fast 40 Jahre zu früh für ein geeintes Deutschland gekämpft hat, so denkt und plant er auch seine Zucht. Vor 15 Jahren hat man ihn mit seinen spinnerten Zuchtideen noch belächelt. Heute weiß man allerdings, dass ohne ihn in der Trakehnerzucht nicht solche Erfolge gelungen wären . Das ist die Atmosphäre von Bärendahl, in der man früher auch Schwarzkopfschafe der Spitzenklasse und bis vor kurzem besonders schöne Milchschafe der deutschen Herbuchzucht hielt und auch noch einen vorzüglichen Käse aus der Milch herstellte. Vor kurzem haben sie allerdings fast die ganze Schafzucht in die Toskana verkauft, weil auch man ein bisschen langsamer machen will.

Karl Möller