Kraut des tapferen Achilles
Die griechische Mythologie berichtet viel von ihrem tapfersten und geschicktesten aller Krieger – vom (beinahe) unverwundbaren Achilles. Von seinem Ziehvater dem Centauren Cheiron lernte er viel von der Kraft der Kräuter. So heilte er dank diesem Wissen einst mit der Schafgarbe auch König Telephus von seinen Wunden.
Wohl von dieser Sage rührt ihre lateinische Bezeichnung „Achillea millefolium“ her. Diese Heilkraft verlieh ihr auch im Volksmund Namen wie „Grundheil“ oder „Garbenkraut“. Garbe ist ein altdeutscher Begriff und bedeutet „die Heilende“.
Unzählige weiße Blütchen kennzeichnen die Schafgarbe
Wer ihr in der Natur begegnen möchte muss meist gar nicht lange Ausschau halten. Das um die 60 cm hohe Korbblütengewächs gedeiht auf allen trockenen Böden der gemäßigten Zonen der Nordhalbkugel. Man findet die Schafgarbe auf Wiesen, an Wegrändern, auf Feldern und unbebauten, sonnigen Grundstücken. Ihre unzähligen 4-8 mm großen Blütenköpfchen ragen dem Betrachter in flächigen Dolden senkrecht entgegen. Zurecht trägt sie daher auch den Namen „Tausendblatt“. Die zarten und langen Blättchen am behaarten Stängel sind stark gefiedert. Diese grünen Blättchen sammelt man von Mai bis Juni. Die Blütezeit ist von Juni bis Oktober. Die Blüten oder auch die ganze Pflanze erntet man vorzugsweise von Juli bis August und bewahrt sie zum Trocknen an einem schattigen und luftigen Platz auf.

Schafgarbe. Quelle: Prof. Dr. Otto Wilhelm Thomè - Flora von Deutschland,
Österreich und der Schweiz - 1885, Gera, Deutschland
Viele aromatische Pflanzenstoffe
Die Inhaltsstoffe der Schafgarbe können je nach Standort starken Schwankungen unterliegen. Der Anteil an ätherischen Ölen beträgt ca. 1%, hiervon v.a. Chamazulen, Campher und Cineol. Wieder passend zum lateinischen Namen enthält sie Achillicin, ein Proazulen, das ebenso wie o.g. Chamazulen (auch bekannt von der Kamille) ein Bitterstoff ist. Des Weiteren Sekundäre Pflanzenstoffe, insbesondere gelbe Farbstoffe als Flavonoide. Gerb- und Bitterstoffe machen die Schafgarbe auch für die Verwendung in Magenbittern attraktiv. Die aromatischen Verbindungen und die Sekundären Pflanzenstoffe sorgen für die Neutralisierung freier Radikale, beugen der Krebsentwicklung und der Ausbreitung von Bakterien vor.
Anwendungsgebiete für die Schafgarbe
Ihre Inhaltstoffe machen die Schafgarbe vielseitig verwendbar. Sie stillt blutende Wunden durch ihre astringierende (zusammenziehende) Eigenschaft und schützt gleichzeitig vor dem Angriff durch Bakterien. Sie hemmt die Bildung von Entzündungen sowie Ödemen, wirkt krampflösend und gegen Blähungen. Durch die Anregung der Gallensaftsekretion in die Leber unterstützt sie die Verdauung.
Schafgabe ist somit bei Entzündungen, Blähungen und Krämpfen im Magen-Darm-Trakt oder bei Durchfall angezeigt. Bei appetitlosen Pferden trägt sie zur Verbesserung des Fressverhaltens bei. Äußerlich kann man sie bei schlecht heilenden und eiternden Wunden, Geschwüren und Blutergüssen anwenden. Auch entzündlich veränderte Hautpartien oder Schleimhäute profitieren von den Stoffen der Schafgarbe. Allerdings kann in seltenen Fällen die sog. Wiesendermatitis auftreten. Das sind Bläschen auf der Haut oder Juckreiz bei Empfindlichkeit gegen Korbblütler, wie auch Arnika, Kamille oder Ringelblume. Schafgarbe sollte vorsichtshalber nicht während einer Trächtigkeit in hohen Dosen verabreicht werden.
Für außen und für innen anwendbar
Für äußerliche Anwendungen benötigt man ca. 100 g vom Kraut. Dieses gibt man in einen Eimer, übergießt es mit 1 l heißem Wasser und lässt das ganze 10 min. bedeckt ziehen. Dann füllt man den Eimer auf 20 l Wasser auf. Mit dieser Mischung kann man dann Umschläge machen oder es für Spülungen verwenden.
Für die Verfütterung oder als Teezubereitung nimmt man ca. 25 g Kraut pro Tag oder 15 g reine Blüten. Wer Presssaft hat gibt etwa 5 Esslöffel pro Pferd und Tag.
Außerdem kann man sich ein Schafgarbenhautöl selbst herstellen. Dazu benötigt man 2 Hand voll Blüten, die man mit 250 ml Jojoba- oder Mandelöl übergießt und in einem verschlossenen Glas 3-4 Wochen z.b. am Fensterbrett in der Sonne stehen lässt. Dabei aber täglich gut schütteln. Bei Zimmertemperatur ist dieses Hautöl ca. 1 Jahr haltbar.
Übrigens war auch unser Goethe ein großer Freund der Schafgarbe. In seinem Werk „Götz von Berlichingen“ führt er ihre wertvolle Eigenschaft mit den Worten „sie stillt das Blut, gibt neue Kraft“ den Zuschauern vor Augen. Sollten Sie also auf einem Spaziergang mal „Erste Hilfe“ benötigen, dann halten Sie einfach nach dem Jod der Wiese Ausschau.
Christine Bauer










