Zauber der Wüste – Das arabische Vollblut

Araber1Nicht nur schön, sondern auch leistungsfähig

Gott nahm eine Hand voll Südwind und sprach,
dein Name sei arabisch...

Der Ursprung

Der Vollblutaraber gilt als Kulturgut des Orients und älteste Pferderasse der Welt. Will man der Überlieferung Glauben schenken, so wurde das ägyptische Pferd schon 5000 Jahre v.Chr. gezüchtet. Der genaue Ursprung des arabischen Pferdes ist nicht bekannt. Als offizielle Heimat gilt die Arabische Halbinsel.

logostuteDer Vollblutaraber stand von jeher im Dienst des Menschen. Die Pharaonen konnten ihr Reich ausdehnen, indem sie ihn vor ihre Streitwagen spannten und auf seine Kraft und seinen Mut vertrauten. Beduinen gewannen Kriege mit ihm, die Schnelligkeit ihrer Stuten war in Kämpfen oft lebensrettend. Der Prophet Mohamed machte im 7. Jahrhundert die Zucht, Erhaltung und Fürsorge dieser Rasse zur religiösen Pflicht. Denn das arabische Pferd diente ihm und seinen Anhängern dazu, den Islam in der Welt zu verbreiten und so gelangte auch das Arabische Pferd nach Mittel- und Westeuropa.

Es gibt kaum eine Pferderasse der Welt die nicht vom Einfluss des arabischen Blutes profitierte. Die durchschlagende Vererbungskraft seiner physischen und psychischen Eigenschaften erhob den Vollblutaraber zum begehrtesten Veredler vieler Zuchten aller Welt.

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Typ und Erscheinungsbild

Jahrhunderte lange Reinzucht, härteste Bedingungen in der Wüste und das enge Zusammenleben mit den Beduinen prägten diese Pferde und ihr Wesen. Ihre Schönheit, die heute für viele Liebhaber dieser Rasse im Vordergrund steht, war eigentlich nur eine „Begleiterscheinung“ der Selektion auf Härte und Genügsamkeit.

Der heutige Vollblutaraber wird auf die Stämme Kuhaylan, Saqlawi und Muniqi zurückgeführt. Die Kuhaylans sind knochenstarke, kräftig und kompakt gebaute, leichtfuttrige Tiere mit großen, schwarzen Augen. Die Saqlawis sind elegante, gazellenhafte Pferde mit femininer Ausstrahlung. Die Muniqis sind hochbeinig und schlank und stehen im Rennpferdetyp. Heutzutage findet man auch Mischungen dieser Typen. Das allgemeine Erscheinungsbild des Vollblutarabers ist ein elegantes, zierliches Pferd in Quadratform. Widerristhöhe ca. 1,50m und größer. Typisch ist ein kurzer, trockener, ausgeprägter Kopf mit konkaver oder gerader Nasenlinie, kleine Ohren, deren Spitzen nach innen zeigen und sich fast berühren. Das Auge ist groß und ausdrucksvoll und weit außen am Kopf angesetzt. Die Stirn ist breit und entweder gerade oder nach außen gewölbt. Große, weitdehnbare Nüstern und ein kleines Maul sind ebenfalls rassetypisch. Der Hals ist hoch aufgesetzt und gebogen, der Rücken ist kurz, meist haben Vollblutaraber nur 5 Lendenwirbel. Die Kruppe soll waagerecht und der Schweif hochangesetzt sein. Die Gliedmaßen sind trocken, fein und die Hufe klein und überaus hart. Hufprobleme haben sie selten. Im Stall oder auf der Weide sehen sie oft unbedeutend aus. In der Bewegung aber zeigen arabische Pferde ihren ganzen Stolz und Erhabenheit, mit erhobenem Haupt und Schweif und fliegenden Bewegungen werden sie eins mit dem Wind. Arabische Vollblüter gibt es als Braune, Füchse oder Schimmel, Rappen sind selten, Schecken sind nicht erlaubt.

Ein Pferd das gefordert werden will

Araber3Bekannt ist der Vollblutaraber für seine Schnelligkeit und Ausdauer, seine Gelehrigkeit und sein dem Menschen zugeneigtes Wesen. Das resultiert daraus, dass die arabischen Stuten bei den Beduinen mit im Zelt lebten und die Nähe des Menschen und seiner Kinder war für sie selbstverständlich. Aufgrund dieser Eigenschaften, eignet sich diese Rasse bestens als Familien- bzw. Freizeitpferd und fast alle Bereiche der Reiterei. Die Intelligenz und schnelle Auffassungsgabe sind Vorzüge für Reiter, die ein Pferd wollen, das mitdenkt. Allerdings sind Vollblutaraber gerade deshalb auch sehr sensibel und gelten daher oft als schwierig. Eine ungerechte Behandlung verstehen sie sehr genau und reagieren entsprechend. Ähnlich wie ein Hund ist der VA sehr auf seine Bezugsperson fixiert und leidet sehr, wenn er ständig Stall oder Besitzer wechseln muss.

Bei kaum einer Rasse steht die Schönheit mehr im Vordergrund, als die Reiteignung. Araberschauen (Schönheitswettbewerbe) in aller Welt haben sich in den letzten Jahren zum Non-plus-ultra zur Bewertung eines Vollblutarabers entwickelt und ließen leider die eigentlichen, bewährten und rassetypischen Eigenschaften in den Hintergrund geraten. Die deutsche Araberzucht ist dem Araberzuchtverband unterstellt, kurz VZAP, mit Sitz in Hannover.

Dass sie nicht nur Vorgartenschönheiten sind, beweisen dennoch viele Vollblutaraber. Im Freizeitreiterbereich werden sie nach wie vor erfolgreich eingesetzt, weil man ihr umgängliches Wesen schätzt. Distanzreiter reiten bevorzugt arabische Pferde oder solche mit diesem Blutanschluss, weil sie ein enormes Durchhalte- und schnelles Regenerationsvermögen auf langen Strecken zeigen und außerdem überaus lauffreudig und leistungsbereit sind. Der Araberrennsport hat sich in den letzten Jahren insbesondere in Deutschland sehr positiv entwickelt und etabliert. Aber auch Western- und Barockreiter haben ihre Freude an der Beweglichkeit und schnellen Auffassungsgabe dieser Rasse. Vollblutaraber sind Pferde, die einen großen Bewegungsdrang haben und sich schnell langweiligen. Sie fordern ihren Reiter regelrecht, sich stets was neues einfallen zu lassen. Eine artgerechte Haltung mit ganztägigem Auslauf, zusammen mit Artgenossen, ist zwar Grundbedingung, reicht aber nicht, um sie zufrieden zu stellen. Aufgaben, die ein Mitdenken fordern, sind ideal, wie z.B. Trails oder höhere Dressurlektionen.

Fütterung

Durch den in Arabien vorhandenen Lebensraum mit seinen großen Wüsten kam es zu einer „natürlichen“ Auslese, so dass sich ein sehr widerstandsfähiger und leistungsfähiger Typ entwickelte. Da es in Arabien kaum Gras gibt, wurden diese Pferde mit Wildgerste, Hirse oder Luzernen gefüttert, aber auch mit getrocknetem Kamelfleisch und Datteln. Daher gestaltet es sich hierzulande äußerst schwierig den Vollblutaraber rassegemäß zu füttern. Denn die Selektion auf Leistung und Genügsamkeit prägen sein Erbgut und ist nach vielen Generationen nicht verloren. Die Pferde werden heutzutage im allgemeinen nicht mehr entsprechend ihrer Zuchtbestimmung gefordert. Dadurch sinkt der Energiebedarf drastisch. Die meisten VA sind sehr leichtfuttrig und gute Futterverwerter. Sie nehmen schnell zu, geraten leicht in Mastkondition und verlieren ihre rassetypische ätherische Schönheit und leiden dann auch unter den Folgen. Mit unseren üppigen Weiden ist das einstige Kriegspferd völlig überfordert, aber auch unterversorgt mit Nährstoffen. So leiden oft schon junge Tiere unter dieser Fehlernährung. Das kann sich früher oder später unterschiedlich zeigen, sei es durch Hufrehe, der Neigung zu scheuern oder Gelenksbeschwerden, wie z.B. Arthrose, Spat, Gallen. Eine proteinreiche Ernährung mit z.B. großen Getreiderationen, Silage oder 24 h auf der Weide, ist ungeeignet und zehrt außerdem an den körpereigenen Spurenelementdepots, wodurch schnell Defizite entstehen. Zwar ist der Araber genügsam, dennoch sollte das nicht dazu verleiten, ihm gar nichts dazu zu füttern oder ihn gar während der Wachstumsphase “groß hungern lassen“. Nur Weide oder Heu reicht auch dem arabischen Pferd nicht. Araber sind Spätentwickler, das sollte nicht dazu verführen, sie mit viel Getreide aufzufüttern, um das Wachstum zu beschleunigen. Die Folgen von nichts und auch von zuviel sind fatal.

Araber4Der Vollblutaraber lässt sich ideal ernähren mit einer ausgewogenen, energiearmen, aber vitalstoffreichen Fütterung und qualitativ gutem Heu. Eine energiereiche Fütterung brauchen in den meisten Fällen wirklich nur Sport-Pferde die im Training stehen. Bei einer artgemäßen Fütterung und Haltung mit genügend geistiger und körperlicher Beschäftigung ist der Vollblutaraber ein wunderbarer Freizeitpartner.

Nicole Kumpf