Erfolgreich wirtschaften in riskanter Branche
Wir fahren durch unendlich weites, flaches Pferdeland. Eine landwirtschaftlich geprägte Gegend, in der die Pferdehaltung Hochkultur hat. In Bottorf besuchen wir den zum Selbständigen des Jahres 2000 ausgezeichneten Heinrich Ramsbrock, der auf über 400 Hektar einen bekannten und ansehnlichen Zucht-, Ausbildungs- und Verkaufsstall führt.
Der Landwirt
„Mit Pferdezucht kann man ein kleines Vermögen machen – wenn man vorher ein großes hatte“. Dieser Satz ist in Reiterkreisen wohlbekannt. Anders verhält sich dies bei Heinrich Ramsbrock, der tatsächlich hauptberuflich von der Pferdezucht lebt. Er stellt sich selbst gerne als „kleiner“ Landwirt vor. Das ist typisch für einen Mann, der gerne untertreibt und sich vorwiegend bescheiden darstellt. Er wirkt zurückhaltend und ernst, jedoch nicht ohne Charme. Seine Gedanken sind auf einen Betrieb gerichtet, der immerhin vom Bundeskanzler Schröder persönlich als innovativ gelobt wurde, weil er ohne eine Subventionierung wirtschaftet und offen gegenüber Technik und Wissenschaft eingestellt ist. Die Auszeichnung galt auch seinem Unternehmen als Ausbildungsbetrieb, in dem junge Menschen unabhängig von Geschlecht oder Herkunft tatsächlich Fachwissen in dem Bereich erfahren, für den sie sich entschieden haben: den Umgang mit den Pferden. Und von denen besitzt Heinrich Ramsbrock genug.
Ein Familienbetrieb
Der am 19. Oktober 1949 in Osnabrück geborene Landwirtssohn war selbst lange Jahre erfolgreicher Reiter. Mit seiner Ehefrau Dagmar, geborene Wachhorst, baute er während seiner 30jährigen Selbständigkeit in Bottorf bei Menslage ein Imperium auf. Die großzügige und höchst gepflegte Anlage im Artländer Fachwerkstil wirkt keinesfalls protzig. Gearbeitet wird in mehreren Reithallen und Ställen zugleich. Das Anwesen wirkt sachlich, ist aber von räumlicher Großzügigkeit geprägt. Ein Team freundlicher Mitarbeiter rundet den ersten Eindruck ab. Ein Empfang ist immer herzlich. Nicht nur für das internationale Publikum, das auf dem Hof ein- und ausgeht.

Besitzer von fast 1000 Pferden
Die 180 eigenen Zuchtstuten liefern jährlich etwa 120 selbstgezogene Fohlen. Jeder Jahrgang wird durch Zukäufe auf 200 Fohlen aufgestockt, wobei etwa zwei Drittel Hengstfohlen und ein Drittel Stutfohlen sind. Die besten Junghengste des Jahrgangs werden als Hengste für die Körung vorbereitet, der Rest wird von namhaften Ausbildern erfolgreich im eigenen Hause ausgebildet.
Wenn man Heinrich Ramsbrock fragt, nach welchen Kriterien er die Pferde aussucht, so antwortet er klar, dass er nicht nach der Abstammung, sondern mit dem Auge Pferde kauft. Er hat das, was man als den „Pferdesinn“ bezeichnet. Vielleicht ist es einfach die Fähigkeit, Erfahrungen logisch zu verarbeiten und sämtliche Informationen darüber im Gedächtnis zu speichern, um schließlich im nächsten Fall kompromisslos die Konsequenzen zu ziehen.
Pferdeausbildung in Profihand
Die Pferdeausbildung Spitzenkräften zu überlassen ist einer der besonders geschickten und profitablen Schachzüge Ramsbrocks. Namhafte Ausbilder wie Dieter Weichert, Hella Kuntz und Richard Hannöver arbeiten mit den jungen Pferden und bilden sie schrittweise aus bis in die schwere Klasse. Gezielt werden Pferde für den Spitzensport aufgezogen, die dann aufgrund ihrer guten Ausbildung ihr Potential auch zeigen können, z.B. für das Bundeschampionat in Warendorf. Neben der Ausbildung spielt auch der vertrauensvolle Umgang mit den Pferden eine große Rolle. Letztendlich kann nur ein umgängliches und motiviertes Pferd seinen Fähigkeiten entsprechende Leistung bringen und einen Käufer finden.
Die Aufzucht
Über 30 Angestellte kümmern sich um über 900 Pferde. Die Fohlen werden in zwei Herden gehalten. Die Unterteilung erfolgt nach ihrem Alter, damit auch die Spätgeborenen eine gute Chance in der Gruppe haben. Die Pferde haben während ihrer Aufzucht jederzeit die Gelegenheit sich im Freien aufzuhalten. In der großen Gruppe hat auch der Einzelne sehr viel Bewegung. Auch im Winter besteht jederzeit die Möglichkeit vom Offenstall ins Freie zu gelangen und umgekehrt. Die Ernährung wird einfach und traditionell gehalten. Bei dieser Menge an Pferden muss hart kalkuliert werden. Die Rechnung geht auf, weil die Bewegung auch im Winter, teilweise in empfindlicher Kälte und ständig frische Luft auf schier endlosen Weiden für einen erheblich höheren Nährstoffumsatz und damit gesunde Pferde sorgt.
Heinrich Ramsbrock betrachtet seine Pferde täglich. Das scheint bei dieser Anzahl an Pferden zunächst unmöglich. Beobachtet man jedoch diesen Menschen, fällt auf, dass sein Blick immer wieder vom Gesprächspartner zu den vorbeiziehenden Pferden schweift.
Hengstkörung
Bei einem jährlichen Ausstoß von 200 Pferden sind immer einige Hengstanwärter zu erwarten. Ramsbrock ist für seine bedeutende Hengstaufzucht bekannt und gilt als der Hengstlieferant schlechthin. Die männlichen Kameraden werden zur Körung vorbereitet, vorgestellt und ein hoher Prozentsatz auch erfolgreich gekört (z.B. Fürst Heinrich jetzt bei Hengststation Sprehe).
Verkauf der Pferde
Um Pferde erfolgreich zu verkaufen, braucht man das entsprechende Feeling. Das hat Heinrich Ramsbrock. Wenn man ihn beobachtet glaubt man durchaus zu erkennen, dass sich seine Gedanken ständig rund ums Pferd bewegen. Er kennt erstaunlicherweise jedes einzelne Tier. Sämtliche Pferde sind jedoch sicherheitshalber mit einem Mikrochip ausgestattet. Nach sorgfältiger Ausbildung werden die Pferde in alle Welt, bis nach Argentinien, Chile und Amerika verkauft. Und hier zeigt sich ein Teil seines unternehmerischen Geschicks: er verkauft die richtigen Pferde in die richtigen Hände.
Intelligenz zeigt sich weniger in schlauer Rhetorik als in der Gabe schnellen Begreifens, Analyse und Erkennen des Bedürfnisses anderer. Gerade im Pferdesport, der sich durchaus sehr emotional zeigt, muss für den Kaufinteressenten das Pferd gefunden werden, welches seinen Anforderungen entspricht, aber auch im Ganzen zu ihm passt. Ramsbrocks unternehmerische Haltung, die Bedürfnisse seines Kunden zu befriedigen, spielt eine Schlüsselrolle in seiner erfolgreichen Pferdevermarktung. Seine fachmännische Erfahrung erkennt die zukünftige Begabung des Pferdes und stellt sie in Relation zu den reiterlichen Fähigkeiten des zukünftigen Besitzers. Dazu gehört eine große Portion Menschenkenntnis gepaart mit entsprechenden reiterlichen Kenntnissen. Zugute kommt ihm dann natürlich die enorme Auswahl an gut gerittenen Pferden. Das schafft ihm zufriedene Kunden, die gerne zu Wiederholungstätern avancieren.
Nur die Familie toppt die Pferde
Heinrich Ramsbrock ist stolz auf seine Familie, seine Frau, die Tochter und seine zwei Enkelsöhne. Er erwartet nicht, dass die Youngsters seinen Platz übernehmen, einen Beruf, der von Risiko geprägt ist und alle 2 Minuten das Handy klingeln lässt. Aber ausschließen möchte er es auch nicht.
Ein Leben ohne Pferde kann er sich nicht vorstellen. Er ist mit Leib und Seele dabei, immer auf das Wesentliche konzentriert. Ein Besuch in Bottorf lohnt sich in jedem Fall.
Dr. Susanne Weyrauch










