Sauer macht lustig

04Mensch1Wege in einen geordneten Säure-Basen-Haushalt

Sauer macht krank. Wer schon einmal etwas über den Säure-Basen-Haushalt und den vielfältigen, daraus resultierenden gesundheitlichen Problemen gehört hat, ist leicht versucht, das Ganze naserümpfend in die Schublade der Scharlatanerie zu schieben. Steht man jedoch morgens mit einer dieser sonderbaren Mischungen aus Muskelkater und Rheumatismus auf, sollte man spätestens hier weiter lesen.

Auch Schweißfüße, Hautprobleme oder Abgeschlagenheit gelten als Anzeichen für eine Übersäuerung des Körpers. Heilpraktiker, Chiropraktiker und Osteopathen sprechen seit Jahren von diesem Phänomen. Wie kann man sich aber „Übersäuerung“ wirklich vorstellen?

Der Körper als Säurefabrik

logostuteDer Körper muss sich täglich mit einer großen Menge an organischen Säuren, wie z.B. Harnsäure aus dem Eiweißabbau, Essigsäure aus übermäßigem Fettkonsum oder Milchsäure aus dem Muskelstoffwechsel auseinandersetzen. Ebenso entstehen durch Gärung im Darm schwefelhaltige Säuren und Gifte. Das Blut hat normalerweise einen pH-Wert von 7,4, der nicht unterschritten werden sollte (je niedriger der pH-Wert, desto saurer). Die Säuren werden im Idealfall über ein Säuregefälle aus dem Körper ausgeschieden. Dabei sind besonders Organe wie Niere, Leber, Darm, Lunge und sogar die Haut an der Ausscheidung beteiligt.

Säuresünden

Wer jedoch raucht, viel Kaffee oder Alkohol trinkt und gerne eiweiß- und kohlenhydratreich isst, wer sich wenig an der frischen Luft bewegt oder aber beim Sport übermäßig belastet, kann gefährdet sein, seinen Körper mit Säuren zu überlasten. Der Körper wird mit diesen großen Säureanflutungen nicht mehr fertig. Auch zu wenig Schlaf, Stress, eine genusssüchtige Lebensweise oder eine negative Einstellung fördern die Übersäuerung des Körpers (Jentschura, Lohkämper, “Gesundheit durch Entschlackung“, 1998).

Säureüberschuss

04Mensch4 Kann die Säureanflutung durch körpereigene Regulationsmechanismen nicht mehr bewältigt werden, bzw. ist der körpereigene Vorrat an neutralisierenden Basen (z.B. Natriumhydrogencarbonat) erschöpft, müssen aggressive Säuren im Körper unter hohem Verbrauch lebenswichtiger Mineralien und Spurenelemente „zwischengelagert“ werden. Man spricht dabei von Verschlackung. Mit dem Alter steigt die Verschlackung - und damit die Entmineralisierung - eines Körpers. Eine frühe ungesunde Lebensweise kann sogar bei Kindern bereits zu Säureproblemen wie Karies, Migräne, Entwicklungs- und Wachstumsstörungen, sowie Bettnässen führen. Als langzeitige Folgen einer ständigen übersäuerten Lebensweise werden im Erwachsenenalter Herzinfarkt, Rheuma, Osteoporose oder sogar die Krebsentstehung diskutiert. Weitere Anzeichen der Übersäuerung zeigen sich bereits in leidigen „Schönheitsproblemen“ wie Cellulitis, Haarausfall oder Hautproblemen.

Säurebomben

„Sauer macht lustig“. Auffallend ist, dass der Mensch ständig auf der Suche nach lustbetonten Säure-Eskapaden ist. Dazu gehören anfänglich Süßwaren, Colagetränke, Kaffee, Fleisch und Zigaretten, später eine exzessive Lebensweise, gekrönt von Alkohol- und Drogenkonsum. Ruhe wird mit Langeweile verwechselt und Arbeit mit Last.

Gesunde Lebensweise

04Mensch3Man muss nicht gleich die Lebensweise eines Mönchs oder einer Nonne übernehmen, um das Säureruder herumzureißen. Schon der Verzehr basischer oder sogenannter basenbildender Nahrungsmittel führt zu einer besseren Voraussetzung für ein gesundes Leben. Dazu gehören Gemüse, Kartoffeln, süßes, sonnengereiftes Obst und besonders Dattel, Feigen und Bananen. Bittere Kräutertees auf der Basis von Wermut, Schafgarbe oder Tausendgüldenkraut finden in einer basischen Kost ebenso ihren Platz. Vor allem ist die Bedeutung der Spurenelemente in der Ernährung nicht zu unterschätzen. Eine besondere Rolle spielen dabei Gewürz- und Heilkräuter, Mineral- und Heilwasser und eine Ernährung auf der Basis von Gemüse und Obst. Der Genuss von so genannten „leeren“ Kalorien (Weiß- und Mischbrot, Nudeln, Reis, Süßwaren) und versteckten gesättigten Fetten (Wurst, Käse, Kuchen) ist im Falle einer starken Übersäuerung dringend einzuschränken.

Entsäuernde Techniken

Trinkkuren, Basenbäder, das Braunsche Reizverfahren, Kneippkuren, Saunagänge, Fastenkuren, Meditation oder Atemtechniken gehören zu den traditionellen Verfahren, die teilweise seit Jahrhunderten der Entgiftung und Entschlackung und damit auch der Gesunderhaltung des Menschen dienen.

Sich ab und zu etwas Ruhe zu gönnen, ausspannen, Einsamkeit genießen, Gefühle wie Macht, Habgier, Hass und Neid vermeiden, kann die Psyche entlasten und zu einer Lebensweise führen, die nicht „sauer“ macht.

Dr. Susanne Weyrauch