Vom Frosch zum Prinzen – ein Märchen kann Realität werden
Es ist schon deprimierend, erleben zu müssen, wie aus einem hübschen Pferd durch beständiges Scheuern und Wundreiben ein unansehnliches, haarloses, gestresstes Wesen mit krustigen, blutigen, verschorften Stellen wird. Diesen Zustand nennt man dann Ekzem.
Mittlerweile trifft es nicht mehr nur die Islandpferde, Traber, Haflinger, Quarter, Friesen, sondern selbst Warmblüter werden Opfer des Ekzems, welches gnadenlos Mauke, Räude, Pilz- und Haarlingsbefall nach sich zieht.
Ein Isländerhof in Rosbach
Seit gut 10 Jahren hat es sich der Isländerhof Hestaborg in Rosbach bei Frankfurt am Main zur Aufgabe gemacht, Wege zu finden, einem Ekzempferd in den Sommermonaten ein normales Leben in der Herde ohne großes Leiden und Ekzemdecke zu ermöglichen. Begonnen hat dieser Weg mit einem eigenen Hof und der heute allgemein gültigen Einstellung, dass ein Pferd nur natürlich lebt und glücklich ist, wenn es 24 Stunden auf der Wiese läuft und Gras frisst.
Ist Koppelgang natürlich?
Leider musste man dort feststellen, dass diese scheinbar natürliche Haltungsform alles andere als gesund für die zumeist importierten Islandpferde war. Sie erkrankten leicht an Infekten, an Parasiten und Hautpilz und scheuerten sich an jeder erreichbaren Stelle. Obwohl ein Teil der Tiere aus dem Ursprungsland beim Import alles andere als ein gesundes Hautbild und Haarkleid zeigten, kam es zu einem starken Juckreiz erst nach längerem Weidegang, der auch beim abendlichen Aufstallen nur geringfügig nachließ. Diese Beobachtung war Anlass zum Nachdenken, welche Faktoren Hautprobleme zu Ekzem werden lassen.

Übergewicht, Nieren- oder Leberprobleme können leicht zur Entstehung des Ekzems beitragen.
Was heißt Sommerekzem?
Die Tierärztliche Hochschule Hannover definiert Sommerekzem als allergische Reaktion auf den Stich der Culicoides-Mücke. Die typische Reaktion, die an das Aufplatzen einer Pustel erinnert, tritt bei Tieren auf, deren Haut schon vorgeschädigt ist. Der Kreislauf verstärkt sich mit dem durch den Stich ausgelösten Juckreiz. Bisweilen reagieren die Tiere bereits beim Anflug eines Insekts oder bei Berührung durch einen Grashalm panisch, treten um sich oder kratzen sich. Es gilt also Faktoren zu finden, die die Situation eines Ekzempferdes beeinflussen und durch geeignete Maßnahmen den gefürchteten Kreislauf zu durchbrechen.
Die chinesische Medizin sieht die Ursache für Ekzem in der Störung verschiedener Funktionskreise, die eine Fehlverteilung der Körperflüssigkeiten zur Folge haben. Das bedeutet: die Haut ist zu trocken. Von uns selbst wissen wir, welchen Reiz zu trockene Haut auslöst. Das Tier wird auf Grund dieser Störung als krank angesehen, wobei sich innere! Probleme außen (Haut) äußern.
Versucht man die Aussagen der traditionellen chinesischen Medizin mit Begriffen aus naturwissenschaftlicher Sicht zu umschreiben, stößt man schlicht und einfach auf Stoffwechselstörungen und Fehlernährung. Hierbei spielt das Thema Übersäuerung/ Verschlackung ebenfalls eine Rolle. Interessant ist, dass im Umfeld des Ekzems auch chronische Bronchitiden, Durchfall, Dauerrosse, Headshaking, Spat und Hufrehe auffallen.
Mangel vorprogrammiert

Spezialrassen mit starkem Behang
sind besonders ekzemanfällig
Betroffen von Ekzem sind mittlerweile alle Pferderassen in Deutschland, vornehmlich jedoch die Rassen, deren Ursprungsländer eine kargere Vegetation aufweisen. Dazu gehören Isländer, Araber, Andalusier oder Haflinger. Diese auf schwere Arbeit, geringe Getreidezufuhr und karge Vegetation ausgerichteten Pferderassen fühlen sich in unseren von Überfluss geprägten Breiten mit saftigen Weiden zunächst wie im Schlaraffenland. Dass die Energiezufuhr gedrosselt werden muss, erfahren die Besitzer dieser Spezialrassen dann aber schnell. Mit Vorliebe werden nun Mineralfutter beigefüttert, da eine normale Warmblutrassenfütterung mit 3 kg Fertigfutter bzw. Hafer am Tag unmöglich zu realisieren ist und ein Mineralstoffbedarf besteht. Leider führt der Überschuss an anorganischen Mengenelementsalzen zu einer Verdrängung der mit der Nahrung zuzuführenden lebensnotwendigen Spurenelemente und so unweigerlich in eine Mangelsituation.
Lösungsvorschläge
Es gilt also einen Zustand zu simulieren, bei dem das Pferd bei genügend Bewegung in ausreichendem Maße Grundfutter und alle für den Stoffwechsel notwendigen Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente erhält. Bei Pferden mit Haut- und Haarproblemen zeigen sich schon bei Blutanalysen – die nur ein Anhaltspunkt für den wahren Ist-Zustand liefern – Mängel im Spurenelementbereich, vor allem bei Zink, Kupfer, Mangan oder Selen. Wären weitere Untersuchungen von Spurenelementen derzeit Gang und Gäbe und wären Referenzwerte verfügbar, fände man sicher weitere Mangelsituationen.
Großzügige Gaben von Zink, aber nur in verwertbarer Form (bioverfügbare Verbindung), zeigten einen deutlichen Rückgang des Juckreizes und Verbesserung des Hautbildes und zwar vor allem dann, wenn bei der Haltung auf begrenzte Weidezeit geachtet wurde. Liegt ein Zinkmangel im Blutbild vor, benötigt man teilweise zwei oder drei Jahre, um die Depots wirkungsvoll aufzufüllen. Das Ekzem verschlimmerte sich, sobald die Isländer von Hestaborg länger als 4 Stunden auf der Weide verblieben.
Die Haut blühte - trotz morgendlicher Behandlung der betroffenen Hautstellen und Einsprühen mit einem Fliegenschutz - regelrecht auf. Viele Ekzembehandlungen haben gezeigt, dass manche Individuen schlecht auf ölige Substanzen reagieren. In manchen Fällen hat sich Harnstofflotion bewährt. Es gilt zu beachten, dass sich auf der angegriffenen Haut Pilze, Milben oder eine bakterielle Infektion aufsiedeln können. Der Juckreiz wird verstärkt. Im heutigen Umgang mit dem Ekzemer gilt es vor allem, den Stoffwechsel zu unterstützen. Dazu gehört vor allem eine durchdachte Fütterung. Eine vitalstoff- und spurenelementkonzentrierte, getreidearme, rohfaserreiche Ernährung bei hochwertiger aber mäßig gehaltener Eiweißversorgung ist das Ziel.
Dazu kommt langsames Anweiden bis zu einem täglichen Aufenthalt von vier Stunden und anschließendem Verbleib auf dem Paddock, mit Strohversorung und abendlicher, individueller Heu- und Kraftfuttergabe mit notwendigen Zusätzen je nach Futterzustand.

Ekzeme im fortgeschrittenen Stadium: links im Mähnenkamm, rechts auf der Kruppe
Mangelnde Bewegung
Wie bereits erwähnt finden wir das Ekzem oft bei Pferderassen, die für Hochleistung und harte Arbeit gezogen wurden. Diese Rassen werden heute als Freizeitpferde gehalten und scheinen aufgrund ihrer vermeintlichen „Bedürfnislosigkeit“ für eine robuste Haltung geeignet. Ein Problem dieser Haltung besteht jedoch darin, dass die Pferde - in der irrigen Ansicht, sie verschafften sich ausreichend Bewegung auf der Koppel - zu wenig bewegt werden. Oft fällt die Bewegung zusätzlich exzessiver Fresstätigkeit zum Opfer. Die Schonung der Pferde scheint im ersten Moment sehr tierfreundlich, entpuppt sich aber bald als fürchterlicher Bumerang. Wer viel arbeitet, darf auch viel fressen, andersherum funktioniert dies aber nicht. Der geringe Energiebedarf zieht nicht unweigerlich einen geringen Nährstoff- bzw. Vitalstoffbedarf nach sich. Auch sind „normale“ – auf das arbeitende Warmblutpferd ausgerichtete Futtermittel – für die nicht arbeitende, leichtfuttrige, mit eiweißreichem einseitigem Wiesengras überversorgte Spezialrasse nicht geeignet. Es kommt zu frappierenden Mängeln im Bereich der Spurenelemente und Vitalstoffe.
Eiweißüberfütterung
Bisweilen wird das Ekzem auch als „Eiweißallergie“ betitelt. Richtig ist, dass der Ekzemer nicht so viel Eiweiß verträgt wie der Nichtekzemer. Dies liegt vermutlich an einem geschwächten Stoffwechsel. Die Stoffwechselleistung ist abhängig vom Vorhandensein aktiver Enzyme. Jene Enzyme wiederum benötigen ausreichende Mengen an Spurenelementen als Cofaktoren zu ihrer Funktionalität. Die Verarmung an Spurenelementen erfolgt schleichend und das Ekzem zeigt sich daher oft nicht sofort. Der Pferdebesitzer wundert sich, dass manchmal erst nach einigen Jahren Robusthaltung das Ekzem ausbricht.
Hygiene und Futterqualität
Penibles Achtgeben auf einwandfreie Futterqualität ist oberstes Gebot. Schimmliges, staubiges oder kontaminiertes Heu ist nicht nur schädlich für die Verdauung. Der Abbau der Schadsubstanzen und Stoffwechselendprodukte kostet körpereigene Immunreserven. Vermehrt müssen entgiftende Enzyme tätig werden die ihrerseits wiederum Spurenelemente benötigen. Ein verheerender Kreislauf beginnt. Schenkt man früheren Berichten Bedeutung, wurde um 1900 gerade den Pferden, im Vergleich zu anderen Nutztieren, das qualitativ hochwertigste Futter zuteil. Geht man heute mit offenen Augen durch manche Ställe konkurrieren schimmlige Silage mit staubigem Heu oder feuchtem Stroh. Langzeitig gesehen ein Fiasko für das Pferd!
Ekzemer wie wertvolle Turnierpferde behandeln
Sauberkeit spielt beim Ekzemer eine große Rolle. Bei Trabern im Sport finden wir nahezu kein Ekzem, auch tritt bei gepflegten Tieren in Sportställen Räude oder Haarlingsbefall weniger auf. Solche Tiere werden teilweise täglich nach dem Training gewaschen. In Florenz beobachteten wir eine Araberzüchterin, die ihre Pferde täglich waschen lässt, unabhängig, ob gearbeitet wird oder nicht. Viele Sportreiter im Islandpferdebereich erklären, dass sie mit Ekzem keine Probleme haben. Schließlich gibt es mündliche Überlieferungen (siehe auch unseren Beitrag Pferdefütterung gestern und heute), dass Arbeitspferde im Sommer, wenn die Möglichkeit bestand, grundsätzlich in eine Schwemme oder ein anderes Gewässer geführt wurden und dort baden durften.
Pferde lieben im allgemeinen Sauberkeit. Selbst das Tragen der Ekzemerdecken wird von den Pferden gerne angenommen, falls die Fliegenplage und damit verbundener Stress und Juckreiz weniger werden. Betroffene Tiere können morgens je nach Zustand nur mit einem Fliegenschutz eingesprüht werden, um vor allem stechende Insekten fernzuhalten. Erkrankte Hautstellen werden mit einer entsprechenden Lotion behandelt.
Einfluss der Psyche auf das Ekzem
Ähnlich wie bei der Neurodermitis beim Menschen spielt beim Ekzem des Pferdes die Psyche eine große Rolle. Stress-Situationen jeglicher Art wie beispielsweise Überforderung, Krankheit, Einsamkeit, Überfütterung oder zuviel frisches Gras können Ekzem auslösen. Stress führt zu einer vermehrten Ausschüttung von körpereigenem Histamin, dem Stoff, der zu allergischen Reaktionen führt. Dieser Zusammenhang bedarf intensiverer Forschung und sollte auf keinen Fall unterschätzt werden. Der Abbau von Histamin erfordert wiederum bestimmte Nährstoffe, die das Entstehen eines wahren Mangel-Teufelskreises fördern.
Ekzem ist wie Neurodermitis nicht heilbar, aber man kann mit den richtigen Maßnahmen zur Ernährung, Haltung, Bewegung und Pflege dem Tier auch die Sommermonate lebenswert gestalten.
Ruth Ludwig / A. Returner










