Symbol für Hoffnung und Wiederkehr
Die ersten Parfums, wie das königlich ungarische Wasser „Aqua Reginae Hungariae“ des 16. Jahrhunderts und „Eau de Cologne“, das Kölnisch Wasser des 18. Jahrhunderts, enthielten Rosmarin. Doch diese Gewürz- bzw. Heilpflanze kann wesentlich mehr als nur duften. Sie wurde sowohl als Totenbeigabe, Friedhofsschmuck als auch als Brautschmuck verwendet.
So galt der Rosmarin einerseits als Hoffnungszeichen für Wiederkehr und andererseits als Fruchtbarkeits- bzw. Lebenssymbol. Daher wurden in Belgien die Babys auch nicht vom Storch gebracht, sondern aus dem Rosmarinstrauch geholt.
Rosmarinus offinicalis
Schon in der Antike ist der Name Rosmarinus geläufig. Er ist eine Zusammensetzung aus dem Lateinischen ros (= Tau ) und marinus (= zum Wasser gehörig). Aus dem Griechischen kennt man eine volkstümliche Deutung von rhops (= Strauch) und myron (= Balsam). Andere Namen für Rosmarin sind Meertau, Weihrauchkraut, Hochzeitsblümchen, Brautkraut und Röslimarie.

Quelle: Prof. Dr. Otto Wilhelm Thomè - Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz - 1885, Gera, Deutschland
Die Pflanze ist in der Maccien, den Strauchheiden des Mittelmeergebirges, heimisch und wurde im Altertum als Altarschmuck, Weihrauchersatz, besonders aber als Gewürz- und Heilpflanze angebaut. Ob der Rosmarin schon durch die Römer als Kulturpflanze nach Mitteleuropa gelangte oder erst durch die Benediktinermönche im sechsten Jahrhundert, ist unschlüssig. Auch heute noch wächst Rosmarin an den Felsküsten Südeuropas wild und wird vorwiegend in Italien, Südfrankreich, Spanien, Griechenland, Tunesien, Marokko, Algerien, Jugoslawien, USA und Mexiko, erstaunlicherweise auch in Deutschland und England angebaut.
Der zur Gattung der Labiatae oder Lamiacae (Lippenblütler) gehörende immergrüne Kleinstrauch kann bis zu zwei Meter hoch werden. In den Monaten Dezember bis August – je nach Standort – bekommt er mit seinen flaumig behaarten Zweigen für ungefähr einen Monat weiß bis hellblauviolette Lippenblüten in den Blattachseln. Die Blätter haben eine dunkelgrüne Farbe, sind ungefähr drei cm lang und vier mm breit mit einem nach unten gerollten Rand. Die Oberseite ist ledrig glatt; die Unterseite graufilzig behaart.
Rosmarinus offinicalis wird oft mit dem Sumpfporst (Ledum palustre), der „wilder Rosmarin“ genannt wird, verwechselt. Dieser ist aber eigentlich ein Heidekrautgewächs und wurde wegen seiner toxischen Wirkung früher als Mottenbekämpfungsmittel und sogar als Zusatz für Bier verwendet, um den Rausch zu verstärken.
In der Küche
Das Kraut wird vor allem für mediterrane Gerichte bevorzugt in den westlichen Ländern als Gewürz verwendet. Es passt gut zu Fisch und Fleisch v.a. Geflügel und Lamm, sowie zu Gemüse (Kartoffeln, Auberginen, Zucchini oder Tomaten). Sehr bekannt ist die Gewürzmischung „Kräuter der Provence“ in der Rosmarin ein wesentlicher Bestandteil ist. Inhaltsstoffe des Rosmarins sind vor allem das farblose bis hellgelbe ätherische Öl, das aus den Blättern und beblätterten Stängeln durch Dampfdestillation gewonnen wird. Es besteht überwiegend aus 1,8-Cineol, Kampfer und Borneol, die das typische Aroma formen.
Vom Öl bis zum Pulver
Die Anwendungsgebiete sind sehr vielfältig. Die Pflanze selbst, daraus gewonnene Extrakte sowie Tee werden innerlich bei Verdauungsbeschwerden wie Blähungen, zur Anregung des Appetits und bei Magen-, Darm- oder Gallestörungen verwendet. Menschen und Tiere profitieren von der erhöhten Durchblutung vorwiegend im Bereich des Herzens, des Gehirns und der Extremitäten. Rosmarin regt den Kreislauf an und fördert die Gedächtnisleistung, Konzentration und Leistungsfähigkeit.
Äußerlich wird Rosmarin als Öl oder Salbe zur Behandlung von rheumatischen Gelenkserkrankungen und Ischiasproblemen angewandt. Das Pulver kann sogar blutende Wunden stillen. Mit Sicherheit ist dies u. a. auf den hohen Zinkgehalt zurückzuführen, der zudem auch appetitanregend wirkt. Zink ist Co-Faktor von über 200 Enzymen und somit an vielen Stoffwechselvorgängen beteiligt. Zu diesen Vorgängen gehört auch die Wundheilung, so dass Hautprobleme wie Ekzem und Insektenstiche mit Rosmarinöl behandelt werden können.
Duftender Krebsvernichter
Viele der besagten Wirkungen wurden heute durch intensive pharmakologische Untersuchungen bewiesen. Französische Wissenschaftler des „Institut national de la Recherche Agronomique“ (INRA) fanden außerdem heraus, dass Rosmarin und Knoblauch die Heilung von Krebs im Frühstadium positiv beeinflussen können. An Leberkrebs erkrankten Ratten wurde ein Rosmarin-Extrakt zugeführt. Dessen Moleküle aus der Familie der Polyphenole (sekundäre Pflanzenstoffe) hemmen die Tumorbildung. Die antioxidative Wirkung konnte auch bei anderen Krebsarten nachgewiesen werden.
Mehr als nur ein Kraut
Die Eigenschaften des Rosmarin kommen Mensch und Tier zugute. Der Einsatz von Rosmarin kann bei Konzentrationsschwäche, Kopfschmerzen und Migräne helfen. Als Mund- bzw. Maulspülung zubereitet, wirkt er schmerzstillend und heilend bei Verletzungen im Mund oder Rachenraum. In der Aromatherapie ist Rosmarin ein beliebtes Konfliktmittel, das vor Ohnmachtsgefühlen und Minderwertigkeitskomplexen schützen soll. Ergo: Rosmarin ist nicht nur Zierde im Kräutergarten sondern ein wichtiger Bestandteil der Naturheilapotheke.
Ariane Wehrmaker










