Die Distanzreiterin Christine Wagner
Diesen Traum hat sich die gebürtige Schweizerin Christine Wagner erfüllt. Bereits seit über 20 Jahren gehört das Herz der erfolgreichen Distanzreiterin den Pferden und der Reiterei. Ihren heute 12-jährigen Vollblutaraber Puschkin kaufte sie vor 11 Jahren. Inzwischen ist sie wie auch ihre Töchter Lena und Nora Mitglied des Schweizer Kaders. Puschkin rangiert auf Platz Sieben der „Top Ten“ der Distanzpferde.
FutterJournal:
Frau Wagner, Ihre Erfolge in den letzten Jahren sind beeindruckend. Sie erreichten u.a. den 24. Rang bei der Weltmeisterschaft der Distanzreiter 2002 in Jerez und den 2. Rang bei der Schweizer Meisterschaft 2003 über 160 Kilometer. War es schon immer Ihr Wunsch Distanz zu reiten oder war es eher Zufall, dass Sie sich damals ein solch lauffreudiges Pferd kauften?
Christine Wagner:
Ich wünschte mir schon immer, einen „reinrassigen“ Araber zu besitzen. Unser damaliges Familienpferd war eine Partbredstute, welche zu dieser Zeit ein Fohlen bei Fuß hatte. Da wir das Fohlen gerne bei uns aufziehen wollten, suchten wir einen Spielkameraden. Dieses Fohlen sollte aber diesmal ein reinrassiger Vollblutaraber sein. So kamen wir zu Puschkin.Als wir ihn 3-jährig einritten, zeigte er sich eigentlich eher verschlafen. Erst im Alter von fünf Jahren begann er, seine große Lauffreude zu entwickeln. Also suchten wir eine Beschäftigung für ihn, die ihn auslastete. Das Distanzreiten war genau das Richtige.
FutterJournal:
Warum ist es gerade das Distanzreiten geworden und was begeistert Sie an diesem Sport am meisten?
Christine Wagner:
Der Grund hierfür reifte eigentlich über Jahre heran. Durch meine vier Kinder war es mir immer nur möglich, mich für kurze Ausritte von der Familie abzusetzen. Während dieser Zeit wurde in mir der Wunsch immer stärker, mal einen ganzen Tag durchzugaloppieren. Puschkin kam mir dabei sehr entgegen.

FutterJournal:
Inzwischen ist der Funke ja auch auf Ihre Töchter übergesprungen. Seit wann reiten Sie zusammen Distanz?
Christine Wagner:
Meine Töchter reiten seit dem Jahre 2001 Distanzritte. Sie haben, genau wie ich, die ersten 2 Jahre Qualifikationsritte nach französischen Richtlinien absolviert und sind dann in 2003 ihr erstes Rennen gegangen.
FutterJournal:
Wie halten Sie Ihre Pferde?
Christine Wagner:
Wir haben einen eigenen Stall zuhause. Unsere drei Pferde sind immer zusammen in einem großen Offenstall mit angrenzendem Auslauf. Dazu haben wir große Weiden, auf denen die Pferde je nach Jahreszeit ihren Tag verbringen.
FutterJournal:
Wie sieht Ihr Training aus? Welche Gangart wählen Sie für die Rennen?
Christine Wagner:
Meine Töchter und ich trainieren meist zusammen. Die Pferde werden 4 – 6 Mal pro Woche geritten. Die Hauptgangart ist hierbei Schritt. Gefordert wird von den Pferden ein flotter Schritt. Die Pferde sollen nicht schlurfen, sondern mit der Hinterhand gut untertreten und sich selbst tragen. Besonderen Wert legen wir aber auch auf die Psyche. Vollblutaraber sind sehr intelligent und langweilen sich schnell. Das tägliche Abspulen eines Konzepts ist nicht sinnvoll. Also fordern wir bei jedem Training auch gymnastizierende Elemente, mal einen lockeren Trab oder Galopp, klettern Abhänge hinauf und hinunter, lassen die Pferde über oder um Baumstämme gehen und suchen uns immer wieder neue abwechslungsreiche Wege. Dabei beobachten wir uns immer gegenseitig und korrigieren gegebenenfalls. Natürlich absolvieren wir auch spezielle Galopptrainings über 60 Kilometer, aber die auf einem guten Boden. Vor einem Rennen gehen wir 1 – 2 Mal auf einen längeren Ritt von ca. 5 Stunden. Während früher auf den Rennen fast die gesamte Strecke getrabt wurde, ist man heute dazu übergegangen einen ruhigen, gelassenen Galopp zu reiten.
FutterJournal:
Es ist schon bewundernswert, dass nicht nur Puschkin überragende Leistung zeigt, sondern dass auch Ihre zwei anderen Pferde inzwischen einige Erfolge zu verbuchen haben. Dies zeigt doch, dass Vieles nicht nur von der Veranlagung des Pferdes abhängt, sondern durch Haltung und Training positiv beeinflusst werden kann. Wie füttern Sie Ihre Pferde, was sollte man bei dieser Hochleistung beachten?
Christine Wagner:
Ich habe bereits vor 2 Jahren meinen Futterplan mit einer professionellen Ernährungberaterin abgestimmt. Wir setzen ganzjährig hochqualitative Ergänzungsfuttermittel ein, die dem Aufbau der Kondition, der Muskulatur und dem Gelenkschutz dienen. Die Mengen passe ich der Jahreszeit und Leistung an. Dazu bekommen die Pferde Rübenschnitzel und mehrmals täglich kleinere Rationen Heu vorgelegt. Wenn es das Wetter zulässt, kommen sie stundenweise auf die Weide. Ich beobachte meine Pferde sehr genau und richte die Fütterung dementsprechend individuell aus. Man kann Futtermengen nicht durch eine Tabelle bestimmen lassen.
FutterJournal:
Über welchen Erfolg haben Sie sich am meisten gefreut?
Christine Wagner:
Der eindeutig schönste Ritt war im Dezember 2003 die zwei Mal 100 Kilometer in Barcelona. Hier stimmte alles, die Strecke, die Organisation und Puschkin war in ausgezeichneter Form. Wir erreichten den 2. Rang.
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Reiselust, verbunden mit der Nähe zur Natur ist ein besonderer Aspekt der Distanzreiterei
FutterJournal:
Welcher Ritt war der Härteste?
Christine Wagner:
Jerez – die WM in Spanien vorletztes Jahr. Wir hatten während dem gesamten Ritt Sturm und Unwetter. Die Strecke war aufgeweicht und die Pferde mussten mit sehr tiefem Geläuf kämpfen. Egal welchen Teilnehmer man im nachhinein befragt, jeder bezeichnet diese WM als seinen schwersten Ritt.
FutterJournal:
Was empfehlen Sie einem Einsteiger? Muss es gleich der Vollblutaraber sein? Welche Vorraussetzungen sollten Pferd und Reiter mitbringen?
Christine Wagner:
Es muss ganz sicher nicht unbedingt ein Vollblutaraber sein. Angenehm ist natürlich ein lauffreudiges Pferd, welches ruhig im Umgang ist, da es auf den Ritten mit vielen Menschen, Pferden, Lautsprechern und Tierarztkontrollen konfrontiert wird. Ein nervöses Pferd hat es hier von vornherein schwerer. Man sollte mit seinem Pferd auf kleinen Ritten von 20 Kilometern beginnen. Wichtig ist ein vernünftiger Umgang mit dem Tier, das Tempo sollte nicht zu hoch gewählt und den Fähigkeiten des Pferdes angepasst werden. Wenn man dies beherzigt, kann man lange Zeit mit seinem „Freund“ diesen Sport ausüben, auch wenn es kein Vollblutaraber ist. Meines Erachtens kann auf Strecken von bis zu 100 Kilometern jedes gesunde Pferd problemlos eingesetzt werden.
FutterJournal:
Wie muss man sich einen solch langen Ritt wie z.B. Jerez vorstellen, wie viele Pausen hat man, wie werden die Pferde kontrolliert?
Christine Wagner:
Auf langen Distanzen über 160 Kilometer hat man ca. alle 30 Kilometer eine Pause von 40 Minuten, d.h. insgesamt 5 Stück. Beim Ankommen im Stop wird das Pferd direkt vom Tierarzt überprüft, ist alles in Ordnung, kann man nach Beendigung der Pause direkt weiter reiten, wenn nicht, muss das Pferd vor Verlassen des Stops dem Tierarzt noch mal vorgeführt werden. Man ist heute sogar dazu übergegangen, dass in den letzten zwei Pausen jedes Pferd zum Re-check muss. Nach Beendigung des Rennens muss dann jedes Pferd noch mal zur Endkontrolle. Erst wenn es diese anstandslos überstanden hat, ist es für die Wertung zugelassen.
FutterJournal:
Was haben Sie und Ihre Töchter für die Zukunft geplant?
Christine Wagner:
Unsere zwei großen Fernziele sind die Europameisterschaft 2005 in England und natürlich die Weltmeisterschaft 2006 in Aachen. Sowohl meine Töchter wie auch ich haben bereits alle Qualifikationsritte für die EM absolviert, jetzt hängt es nur noch davon ab, welche Auswahl der Schweizer Kader trifft. Sollten wir nächstes Jahr nicht auf der EM dabei sein, werden wir aber mit Sicherheit nach Florac in Frankreich gehen. Dieser Ritt zählt zu den wichtigsten und schwierigsten Ritten in Europa.
FutterJournal:
Das sind ja tolle Aussichten. Wir wünschen Ihnen für diese Vorhaben viel Glück und Erfolg und vor allem Gesundheit für Reiter und Pferd. Das Gespräch mit Ihnen war sehr interessant für uns und wir möchten uns ganz herzlich dafür bedanken.
Das Interview führte unsere Redakteurin Annette Ernst.










