Hafer, Heu und Häcksel

01Fuetterungshistorie1Fütterung früher – Fütterung heute

Die Pferdehaltung und Fütterung hat eine über 5000 Jahre lange Tradition. Seit der Mensch begonnen hat, das Pferd als Fahr– oder Reittier zu nutzen, scheint sie jedoch einem ständigen Wandel zu unterliegen. Wurde früher vieles anders gehandhabt? War die Fütterung früher besser oder schlechter als heute? Ist Müsli eine moderne Erfindung?

logostuteLandläufiger Meinung nach basiert die Pferdefütterung auf Heu, Stroh und Hafer, ebenso wird von den drei „H“´s gesprochen: Hafer, Heu und Häcksel. Die Empfehlung 5 kg Hafer, 5 kg Stroh, 5 kg Heu ist ebenso in der Literatur angegeben. Lassen Sie uns objektiv in die Vergangenheit schauen, um daraus zu lernen. Wie sah die Fütterung der Pferde tatsächlich aus?

Vor 200 Jahren reines Arbeitstier

01Fuetterungshistorie9Betrachten wir das landwirtschaftlich genutzte Pferd im 19. Jahrhundert: Laut Dr. Arno Scherling in seinem Buch „Das Rottaler Pferd“ wurde die Fütterung wie folgt praktiziert:
Ausgehend von fünfeinhalbtägiger Schwerstarbeit mit siebeneinhalb Stunden Arbeit pro Tag bekam ein Rottaler Pferd pro Tag tatsächlich nur 2,5 kg Hafer, dazu Heu, Strohäcksel (örtlich feucht gemacht) und Grünfutter. Im Winter wurde ausgehend von halber Arbeitszeit nur 1 kg Hafer gefüttert und das fehlende Grünfutter durch Futter- und Zuckerrüben, Karotten und Melasse ersetzt. Gelegenheit zum Weidegang hatten nur ein Viertel der Pferde im Rottal. Zuchtstuten wurde die Ration um Hafer-, Gerstenschrot und Weizenkleie bereichert. Dreijährige Pferde in der Phase der Ausbildung zum Zugpferd erhielten bis zu 15 kg Hafer pro Tag.

Fachliteratur ohne Wissenschaft

Die Fütterung des Nutztieres Pferd basierte ausschließlich auf Erfahrungswerten. Ernährungswissenschaftliche Begründungen lagen einfach nicht vor. Die Autoren Dr. M. A. Lampe und Henry Davenport geben um 1900 in ihrem Band „Das Pferd - Anatomie, Rassen, Zucht und Krankheiten“ Fütterungsanweisungen für die Jahrhundertwende. Hier ein paar Auszüge: Der Hafer gilt auch hier als das wichtigste Getreidefutter. Er wird im Verhältnis 1:2 mit Häcksel gemischt, wobei ein Arbeitspferd gut und gerne 6 Kilo Hafer erhält! Der Hafer wird nur für die Pferde gequetscht, die „Fett ansetzen sollen“. Von einer diätetischen Verabreichung von Haferschleim oder süßem Hafermehl ist die Rede. Gerste wird weniger gerne gesehen aufgrund ihrer Verdaulichkeit, lässt die Pferde angeblich schwitzen, macht sie aber rund mit feiner Haut und schönem Fell.

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Erfahrung statt Wissenschaft

Braungerösteter Gerstenmalz wird als Diätfutter zur Anregung gefüttert (heute, im 21. Jahrhundert ist Gerstenmalz durch seinen Hordeningehalt verboten und gilt als Doping). Roggen ist wegen seiner Quellfähigkeit nur gekocht zu verwenden und nur wenn tatsächlich Höchstleistungen zu erbringen sind. Ständige Roggenfütterung führt angeblich zu schlechten Hufen. Weizen gilt als Mast- nicht als Kraftfutter. Er wird gekocht oder gebrüht verabreicht und soll bei Stuten milchfördernd wirken. Mais kann sogar als alleiniges Kraftfutter gefüttert werden, allerdings geschrotet. Diese einseitige Fütterung führt zur Erschlaffung, zur Erkrankung der Gelenke, der Sehnen und Knochen. Die Fütterung darf durch Erbsen oder sog. Pferde- oder Saubohnen aufgewertet werden, jedoch nur in Maßen, sonst drohen Verschlag, Schweratmigkeit oder „Gehirnaffektionen“, was auch immer damit gemeint sein soll. Kartoffeln und Topinambur werden vorwiegend im gekochten Zustand empfohlen. Möhren in kleinen Mengen können das ganze Jahr verabreicht werden.

01Fuetterungshistorie5Wirtschaftlichkeit im Vordergrund

Diese damaligen Fütterungsempfehlungen müssen unter dem Aspekt wirtschaftlicher Zwänge betrachtet werden. Eine alleinige Fütterung mit Mais oder Roggen lies das Pferd eine Weile hart arbeiten. Über die kürzere Lebenserwartung des Pferdes wurde nicht nachgedacht.

Thema Ernährung in den Kinderschuhen

Im historischen Kalender des Landgestüts Zweibrücken 2001 vom BKP-Verlag ist zu lesen, dass erst kurz vor dem 1. Weltkrieg erkannt wurde, dass durch die Änderungen der Fütterung in der Aufzucht und der Haltung Verbesserungen in Größe und im Auftritt der Pferde stattgefunden haben. Der Zusammenhang zwischen Fütterung und Gesundheit sollte hier nur ansatzweise erkennbar sein.

Andere Prioritäten

Im Oktober 1892 wurde der große Konkurrenz-Ritt deutscher Offiziere von Berlin nach Wien und parallel österreichischer Militärs von Wien nach Berlin gestartet. Die rund 600 km lange Strecke sollte ohne Ruhetage mit größter Schnelligkeit mit demselben Pferd zurückgelegt werden. In Anbetracht kriegerischer Auseinandersetzungen und der Verwendung des Pferdes als Transportmittel waren solche Gewaltritte von Bedeutung. Die rohfaserarme, jedoch haferreiche Fütterung bei diesen Experimenten führte vor allem zu Durchfällen und schweren Lungenproblemen. Die Pferde übersäuerten regelrecht. Der Tod der Pferde wurde in Kauf genommen. Dies sehen wir eher als Ausnahme von der Regel der Pferdefütterung in diesen Tagen.

Andere Voraussetzungen

In der Grundfütterung unterschied sich damals einiges von heute: Die intensive Landwirtschaft gab es noch nicht. Kunstdünger war ein Fremdwort, die Böden waren weder ausgelaugt noch verdichtet. Was in dieser Erde wuchs, wuchs langsamer, vielfältiger und mit reicherer Nährstoffzusammensetzung. Es gab noch keinen Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln oder Halmverkürzern. Quantitative Nachteile bezüglich des Ernteertrags wurden durch eine nährstoff- und vor allem vitalstoffreiche Pferdefütterung wettgemacht. Die Werbung des Heus von Hand, die Trocknung auf Reutern oder unter dem Dach sorgte für eine hochwertige Rohfaserqualität inklusive Blatt- und Samenanteilen. Nicht vergleichbar mit heutzutage maschinell geerntetem, dicht am Boden geschnittenem und anschließend fest gepresstem Heu.
Aufgrund der fehlenden Düngung stand Heu nur in begrenzter Menge zur Verfügung. Man musste sparsam mit diesem Futtermittel umgehen. Stroh, insbesondere das ernährungsphysiologisch wertvolle Haferstroh gab es reichlich.

Auch Hafer und Gerste waren nährstoffreicher als heute. Man mischte schon damals die beiden Getreide gerne in der Pferdefütterung, da Hafer empfindlicher als die robuste Gerste ist, die auch auf ungünstigen Standorten noch Erträge bringt.

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Im 1. Weltkrieg gehörte die Gasmaske für Pferde zur Grundausstattung des Kavalleristen

Das Pferd als Kriegsmaterial

Bis in die dreißiger Jahre übte die Kavallerie den Marsch zu Pferde ständig. In kurzer Zeit sollte ein weiträumiges Gebiet - Tagesleistungen von 50-100 km waren die Norm – durchquert werden. Um diese Strecke überhaupt überwinden zu können, mussten die Pferde sowie alle Reitutensilien sorgfältig gepflegt werden (etwa 2 Stunden täglich wurden für Fütterung und Pflege der Pferde eingeplant). Nach der Arbeit wurden die Pferde nochmals sorgfältig gebürstet und das ausgeschiedene Salz im Striegel aufgefangen und quasi als „Elektrolytpulver“ in den Futtertrog zurückgegeben.

Notzeiten

Geprägt durch Kriegswirren und größte Not um 1944, mussten die Pferde trotz Mangel an Rau- und Kraftfutter Schwerstarbeit leisten. Besonders hart traf es die vielen Flüchtlingspferde aus den östlichen Gebieten. In Ermangelung an Heu und Stroh, welches auf der Flucht schwerer zu transportieren war als Hafersäcke starben viele Pferde am Raufuttermangel. Nach dem Krieg lebte die Pferdezucht noch einmal bis in die sechziger Jahre stark auf. Die Pferde wurden hauptsächlich für die landwirtschaftliche Arbeit eingesetzt.

Arbeitspferde litten oft unter schwerster Arthrose. Ältere Menschen glauben teilweise heute noch, dass Pferde sich zum Schlafen nicht hinlegen. Das liegt daran, dass für die Arbeitspferde tatsächlich das Risiko zu groß war, sich mit massiven Gelenksproblemen niederzulegen, da sie von alleine nicht mehr aufstehen konnten. Einige Fuhrunternehmen verfügten über Seilzüge, um die Pferde, die sich trotz schwerster Arthrose hingelegt hatten, aufzuheben. Leider bleibt für uns im Dunkeln, ob die Überbelastung der Pferde, schlechte Hufbeschläge oder Fütterungsprobleme die Ursache für die Arthrose waren.

Nach dem Krieg

01Fuetterungshistorie8Der ehemalige Europameister der Military, Harry Klugmann, war in den 50er Jahren Teenager und lebte in Osnabrück. Er erzählt, dass in den nördlichen, landwirtschaftlich geprägten Gegenden die Bauernpferde ganzen Hafer mit darunter gemischten Haferstrohhäcksel aus qualitativ besonders gutem Haferstroh und extra gehäckselte Fütterrüben als Kraftfutter zu fressen bekamen. Auch war es Brauch, trockenes Schwarzbrot, das teilweise extra für die Pferde gebacken wurde, als Kraftfutter zu reichen. Rennpferden mischte man Eier in den Hafer, den sie sehr gerne annahmen.

Die Zuchtstuten wurden um die Mittagszeit von der Feldarbeit in den Stall geholt und konnten ihre Fohlen säugen. Die Fohlen mussten dann bis abends warten, bis die Mütter wieder von der Arbeit kamen. Oft war erst am Wochenende Weidegang für Mutter und Kind angesagt.
Karl Reil aus Bad Feilnbach in Bayern erinnert sich, dass die Pferde mit so genanntem „Gsod“ versorgt wurden: bestes Heu und Weizenstroh wurden in einer handbetriebenen Maschine entstaubt und anschließend in kleinste Häcksel zerteilt. Das Verhältnis von Heu zu Stroh betrug 2 : 1, darunter wurde etwas Hafer gemischt. Interessant ist hier der durchaus hohe hygienische Aufwand der Futterbereitstellung. An menschlichem Einsatz wurde nicht gespart, um die Pferde hochwertig zu versorgen. Der Vorteil der gehäckselten Rohfaser liegt auf der Hand: Ein einfacherer Zugang für die Mikroorganismen des Dickdarms, eine schnelle und bequeme Aufnahme von genügend Rohfaser und eine gewisse Schmackhaftigkeit. Aus gleicher Quelle durften wir erfahren, dass die Pferde peinlichst sauber gehalten wurden und im Sommer regelmäßig nach der Arbeit im nahe gelegenen Fluss baden durften.

Pferde im Wirtschaftswunder

In den Weinbergen und Äckern der Rheinpfalz wurde noch bis in die 60er Jahre das Pferd für Schwer- und Schwerstarbeit herangezogen. Der Begriff der „Meerspinne“ für eine besondere Weinlage rührt daher, dass die Weingärten „mehrspännig“ befahren werden mussten, weil die Böden tief und die Hänge steil waren.

Heiner Bauer, pfälzischer Schmied aus dem Weinort Gimmeldingen, berichtet von den Unterschieden zwischen der Sommer- und der Winterfütterung bis 1960. Im Sommer war die Arbeit der Pferde auf dem Feld besonders hart. Dementsprechend wurde proteinreicher gefüttert. Neben Hafer und hauptsächlich Heu wurden Luzerne- oder Heuhäcksel unter die Kraftfuttergabe gemischt. Damit die gesamte Mahlzeit nicht zu trocken wurde, hob man geschnitzelte Runkelrüben unter. Setzte man die Luzerne nicht früh genug ab, wenn die arbeitsärmere Winterzeit begann, wurden die Pferde leicht von Mauke befallen. Im Winter wurde statt Hafer die im Sommer beim Dreschen von Hafer angefallene Haferspreu unter die Rübenschnitzeln gemischt. Heu und Stroh wurden immer gefüttert. In den Sommermonaten wurde auch geschnittenes Gras als Grünfutter geboten, der Koppelgang entfiel bei den meisten Pferden aufgrund der Tatsache, dass die Pferde meist den ganzen Tag arbeiten mussten und die Flächen vor allem für den Ackerbau oder die Heuproduktion genutzt wurden. Die Verfütterung von Stoppelklee war üblich, wurde aber mäßig gehalten, da sie zu Blähungen führte.

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Das Pferd war um 1950 zwar der beste Freund des Bauern, mußte aber den ganzen Tag hart arbeiten,
selbst das Tränken war eine willkommene Pause.

Weidegang

Das Thema Weidegang entfiel bei den meisten Pferden in Deutschland in den letzten 200 Jahren. Materielle Not, der Dienst des Pferdes als Transportgerät und eine Einschränkung der Weideflächen zugunsten des Ackerlandes erlaubt teilweise nicht einmal den Stuten den täglichen Weidegang mit ihren Fohlen.

Luxus Pferd

Ende der Fünfziger erreichte der Traktor den Landwirt. Seit den 70er Jahren wurde das Pferd in Deutschland in der Landwirtschaft nicht mehr gebraucht. Der Bestand an Pferden in Deutschland schwand vom einen auf den anderen Tag. Ein Wandel vom Arbeits- zum Reitpferd zeichnete sich ab. Das Reitpferd wurde und wird jedoch bei weitem nicht so stark beansprucht wie das Arbeitspferd. Die Fütterung von Hafer, Heu und Stroh dominierte. Es galt als Luxus, sich ein Reitpferd zu halten. In Weihenstephan bei München wurde mit der Grundlagenforschung im Bereich der Landwirtschaft und Ernährung begonnen.

Industrialisierung der Pferdehaltung

Die 80er Jahre waren von der totalen Rationalisierung und Industrialisierung der Landwirtschaft gezeichnet. Die frühen ernährungswissenschaftlichen Erkenntnisse führten zur Ausdehnung von Monokulturen und Massentierhaltung, um die Produktionskapazitäten zu vervielfachen. Große Mengen Stickstoff in der Düngung und Unmengen von Eiweiß in der Tierfütterung galten als Schlüssel für die Ertragssteigerung. In diesen Jahren wurde - akademisch begründet - der Grundstein für tierquälerische Massenhaltungsmethoden gelegt. Der Mensch als Herr großer Fleischfabriken. Im Hinblick auf die erlebten Hungerjahre des Deutschen Volkes zählte nur kalorische Quantität, nicht Nährstoffqualität. Die Mast von Fleischlieferanten wie Schweinen, Rindern und Hühnern basierte auf Getreide und vorwiegend calcium-bzw. mengenelementreichen Mineralfuttern.

Eiweiß als Stoff der Wunder schafft

Die Pferdefütterung schloss sich diesem Kontext an. Hartgepresste große Pellets mit hohem Grünmehlanteil, Kleie und reichlich Eiweiß aus Extraktionsschrot sollten den Pferdebesitzern gleichzeitig Heu und Haferfütterung ersparen, die Fütterung von Häckseln starb praktisch aus. Einfach und bequem musste es gehen. Das Raufutter verlor seine Bedeutung. Dass dabei Koliken und Schlundverstopfungen an der Tagesordnung waren, wurde lange hingenommen. Die Pferde mussten nicht mehr so hart arbeiten, die Boxenhaltung wurde modern.

Einzug der Wissenschaft

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im 21. Jahrhundert lebt das Pferd
meist auf der Sonnenseite des Lebens,
die Fütterung ist aber aufgrund des
geänderten Einsatzes nicht unkompli-
zierter geworden.

In den 90er Jahren wurde die Fütterung der Pferde abermals revolutioniert. Neben dem Ausbau und der Verbesserung der Pelletfutter begann ganz nebenbei der Einzug des „Müslis“ für Pferde.

Die Bedeutung der Fette, Mineralien, Vitamine und Spurenelemente in der Tierernährung nahm dank ausgiebiger naturwissenschaftlicher Forschung auch in der Pferdefütterung zu. Die Futtermittelbranche teilte sich in Herstellerfirmen, die weiterhin günstig auf der Basis von Nebenprodukten (Kleien, Extraktionsschroten, Grünmehlen) arbeiteten und Spezialisten, die funktionelle Fütterung entsprechend der Nutzung, Haltung und Rasse der Tiere anbot.
Der Pferdesport begann zu boomen. Moderne Reitställe entstanden. Der beginnende Niedergang in der Landwirtschaft machte die Bauern erfinderisch. Viele Landwirte bauten ihre Rinder- und Schweinställe in Reitanlagen um. Die strengen Sitten der alten Kavalleriereitlehrer rückten in den Hintergrund und Reiten wurde zum Freizeitvergnügen. Dabei anfänglich auftretende Überforderungen des Reiters oder einfach Zeitmangel versuchte man fütterungstechnisch gerne mit dem Ersatz von Hafer durch Gerste auszugleichen. Es begann der Siegeszug der haferfreien Müslifutter, damit die Pferde die wenige Arbeit wenigstens ruhig und gelassen erfüllen.

Heute

Rückläufige Nutztierzahlen haben der Futtermittelindustrie die Felle davonschwimmen lassen, so dass viele Hersteller nun ihr Glück in der Pferdefütterung probieren. Auf Pferde- und Reitsportmessen wird der Besucher von der Vielzahl der Anbieter von Pferdefutter überrascht. Das Pferd avanciert vom Nutztier zum Freund und Sportkamerad des Menschen. Der Besitzer erwartet heute neben Gesundheit und Wohlbefinden des Pferdes auch eine hohe Lebenserwartung. Mittlerweile werden Pferde gezielter, gesundheits- und leistungsfördernder als manche Menschen ernährt. Funktionale Fütterung zur gezielten Steigerung des Wohlbefindens, zur Vorbeugung von Erkrankungen des Bewegungsapparates oder zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit sind aktuelle, lösbare Themen geworden.

Die Zukunft

Aus der Vergangenheit sollte man lernen und sich an einer gesunden, nähr- und vitalstoffreichen Rohfaser orientieren. Besonderer Wert sollte auf Qualität und Sauberkeit des Futters gelegt werde. Da Koppelgang früher Zuchtpferden, eventuell einmal ganz alten oder kranken Pferden vorbehalten war, sollte man übermäßigen Koppelgang oder das “Abstellen“ eines Pferdes auf der Koppel im Hinblick auf das sich heutzutage ausbreitende Sommerekzem überdenken.

Das Bewusstsein für die Ernährung wird in Zukunft größer werden. Der Wunsch nach einer gesunden Nährstoffvielfalt wird steigen. Das Pferd als Partner- und Kindersatz wird immer sensibler betrachtet und dementsprechend auch ernährt und gepflegt. Die sorgfältige Bearbeitung und biologische Aktivierung der Böden für eine bessere Nährstoffverfügbarkeit müssen zukünftig Themen werden, sonst werden die Pferde und wir, wie Nostradamus prophezeit hat: „am vollen Tisch verhungern“.

Dr. Susanne Weyrauch