Dein Freund und Helfer

09IntroPortrait der Polizeistaffel Mannheim

Wie groß war meine Begeisterung, als ich neunjährig mit meinem Vater auf dem Mannheimer Maimarkt meine erste Quadrille anschauen durfte! Uniformierte Reiter zeigten auf dem großen Springplatz einen wunderbar abgestimmten Ritt. Dreißig Jahre später sollte ich sie wieder sehen. Als Schaubild auf der Messe Equimundo in Mannheim.

Diesmal stellte die berittene Mannheimer Polizei beispielhaft vor, welchen Anforderungen die Polizeipferde ausgesetzt werden können. Vom Springen durch brennende Reifen bis zum Reiten durch knallende Feuerwerkskracher wurde alles geboten. Der Beifall der Zuschauer war überwältigend. In diesem Moment verstummten Diskussionen um Gelassenheitsprüfungen oder psychische Probleme beim Pferd.

Die Polizeipferde

logostuteBeim Besuch im Stall der Reiter- und Diensthundestaffel unter der Leitung von Polizeihauptkommissar Heinrich Krauth schließt man gleich Kontakt zu den meist großen, imposanten Warmblütern. Es sind vornehmlich freundliche Wallache, die wegen ihres ausgeglichenen Temperaments den Stuten oder Hengsten vorgezogen werden. Die Pferde werden nach den Kriterien Gelassenheit und – witzigerweise - Neugier ausgewählt. Weiterhin soll das Pferd im Staatsdienst interessiert und intelligent sein, um Situationen sicher zu erfassen.

16 Pferde stehen in Mannheim, davon drei junge im Alter von 3 bis 4, sowie zwei Pferde im Alter von 22 Jahren. Ganz besonders auffallend ist der 22 jährige Ramon (von Ramiro). Seine eindrucksvolle Körpergröße von fast 1,80 Metern Stockmaß, seine milden großen Augen und sein zugängliches Wesen lassen uns begreifen, dass er seine Aufgabe durchaus immer ernst genommen hat und das immer noch tut. Denn Polizeipferde haben wichtige Aufgaben im Leben.

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Diesen Beamten haben wir gerade aus dem Schlaf geweckt.
Vielleicht träumte er von einem Einsatz mit seinem Dienstfahrzeug?

Einsatz am Brandherd

09Polizisten2Der Einsatz der sympathietragenden, berittenen Polizei stellt eine Ergänzung zu der sonst eher technisierten Staatsgewalt dar. Der Hauptvorteil liegt sicher im „Platzvorteil“ und der Möglichkeit des Polizeireiters, aus der Sicht „von oben“ Brennpunkte frühzeitig zu erkennen. Der moderne Großstadtmensch hat vor dem Pferd Respekt. Dies schafft oft schon die nötige Distanz, um etwaige Gewalttäter zur Ordnung zu bringen. Der berittene Polizist wird eher wahrgenommen als der zu Fuß gehende und hat so auf Kriminelle eine abschreckende Wirkung. In Mannheim wird daher gerne in der Fußgängerzone patrouilliert, insbesondere in der Vorweihnachstzeit, um Taschendiebe zu erkennen.

Zur Faschingszeit reitet die berittene Polizei voraus, um für den nachfolgenden Faschingszug Platz zu machen. Polizei auf Motorrädern würden eher von drängelnden Zuschauern übersehen werden.

Einsätze werden in Parks, Wäldern und am Neckar- oder Rheinufer geritten. Die berittene Polizei kann schnell und effektiv eingreifen. Der Überblick von einem großen Polizeipferd aus, sowie die Wendigkeit und Geländegängigkeit macht es einigen Straftätern, ob sie nun Frauen belästigen wollen, Müll im Gebüsch entsorgen oder Autos knacken, schwer, davon zu kommen. Die berittene Polizei gibt dem Bürger das Gefühl von Sicherheit. Dies gilt insbesondere für den Schutz von Frauen, älteren Menschen und Kindern. Dabei ist und bleibt das Pferd absolut umweltfreundlich und kann vor allem in Naturschutzgebieten schadstofffrei eingesetzt werden.

Ernst wird es beim Einsatz in Demonstrationen oder Sportveranstaltungen. In der anonymen Masse kann es zu Spannungen und Gewalttätigkeiten kommen. Daher werden insbesondere bei Fußballspielen die „Fans“ von der berittenen Polizei bis zum Stadium und wieder zurück begleitet. In kritischen Situationen kann es sein, dass ein Reiter 10 bis 100 Polizisten zu Fuß ersetzen kann. Polizeihauptkommissar Krauth schildert dazu eine Annekdote, in der es bei der Beendigung eines Fußballspiels fast zu einer Katastrophe gekommen wäre. Nach verfrühter Öffnung der Tore bewegten sich zwei Fan-Gruppen auf dem Spielfeld aufeinander zu. Da die Spieler noch auf dem Platz waren, mussten vier berittene Polizisten etwa 400 Menschen davon abhalten, aufeinander loszugehen. Unzweifelhaft mehr Polizisten hätten auch zu Fuß nicht mehr die Zeit gehabt, die verfeindeten Gruppen zu trennen.

Fähigkeiten des Pferdes

09Polizisten3Ein normales Warmblutpferd kann im Galopp 20 km pro Stunde Geschwindigkeit auffahren, sofort abbremsen, die Richtung wechseln und ins dichteste Gebüsch eindringen. Steigungen sind kein Problem, die eventuell einem Motorrad Schwierigkeiten bereiten. Auch Schlamm oder Hochwasser bis 80 cm sind kein Problem für ein Pferd. Manchmal vergessen wir, dass ein Pferd mehr kann als Dressur, Springen oder Spazierenreiten. Angesichts der heutigen Spaßreiterei ist uns aus den Augen verloren gegangen, dass Pferde als Transportmittel vergangener Jahrzehnte unglaubliche Schwierigkeiten meisterten.

Es wird bei jedem Wetter geritten. Die im Polizeieinsatz befindlichen Pferde sind mit Stollen beschlagen, um auf glattem Pflaster oder Asphalt Halt zu finden. Das Hauptarbeitstempo bei Streifen oder während eines Fußballspiels ist der wenig schweißtreibende Schritt. Daher werden die Pferde in ihren Boxen im Winter nicht eingedeckt und auch nicht geschoren. Ein gewisses, wärmendes Winterfell ist durchaus erwünscht, da sie während ihrer Arbeit auch bei klirrender Kälte oder Regen unterwegs sind und eventuell längere Zeit ruhig stehen müssen.

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Die Ausbildung zum Polizeipferd

Die Ausbildung des jungen Pferdes zur vollen Einsatzfähigkeit ist zeitaufwändig. Bereits bei der Auswahl der dreijährigen Pferde wird Wert auf die Nervenstärke gelegt. Leicht lässt sich mit Hilfe eines Regenschirms oder eines bewegten Pullovers feststellen, ob ein junges Pferd belastbar ist. Das junge Pferd darf erschrecken, soll aber schnell zu überlegter Gelassenheit zurückfindet. Schon während der Grundausbildung laufen die jungen Pferde wie selbstverständlich über ausgelegte Planen und schauen den älteren Pferden bei der Arbeit mit Fahnen, Luftballons oder Knallkörpern aus sicherer Distanz zu. Vierjährig werden die Remonten bei kleineren Einsätzen oder zur Streife mit einem erfahrenen Pferd mitgenommen. Sie lernen schnell durch die Anlehnung an den ruhigen, erfahrenen Kollegen mit den täglichen Situationen umzugehen, die ein Pferd erschrecken könnten. Schließlich wird auch der Angriff von gewalttätige Personen wird mit den Pferden geübt.

Ausbildung der Beamten und Versorgung der Pferde

Der Polizeidienst mit dem Pferd ist beliebt und erfordert keine reiterlichen Vorkenntnisse. Diese werden erst im Laufe der Ausbildung erworben und gehören zum Dienstunterricht. Sowohl die Beamten als auch die Pferde werden immer wieder durch einen erfahrenen Reitlehrer korrigiert.

Im normalen Streifendienst wird auf Trense, bei Großveranstaltungen auf Kandare geritten. Bei Repräsentationen oder je nach Einsatz muss der Beamte auch einhändige Zügelführung beherrschen, wenn er in der anderen Hand eine Standarte, sein Funkgerät oder auch mal den Schlagstock hält. Das setzt gute reiterliche Fähigkeiten und auch eine gute Rittigkeit des Pferdes voraus.

09FahrzeugZwar haben die meisten Beamten ihr Lieblingspferd, aber jeder wird auf verschiedenen Pferden ausgebildet und muss in der Lage sein, die verschiedene Pferde reiten und sich auf die unterschiedlichen Eigenheiten des Tieres einstellen zu können. Nach Möglichkeit hat aber jeder Reiter im Einsatz sein festes Pferd, da er dann am besten einschätzen kann, welche Situationen er mit diesem Pferd möglichst problemlos bewältigen kann.

Gefahr für die Polizeistaffeln in Deutschland

Der Abschaffung der Polizeistaffel in Berlin folgte ein Aufruf des Entsetzens in der Bevölkerung angesichts der hohen Sympathie gegenüber dieser bürgernahen Exekutive. Die Pferde wurden wenigstens dem Bundesgrenzschutz zugeteilt und dort eingesetzt. Kontrovers wurde auch die Auflösung sämtlicher Reiterstaffeln in Nordrhein-Westfahlen diskutiert. Die Zielgruppe alte Menschen, Frauen und Kinder haben vielleicht eine zu kleine Lobby. Die Fußballweltmeisterschaft 2006 wird auf die berittenen Einheiten auf alle Fälle nicht verzichten können.

Dr. Susanne Weyrauch