Nierenprobleme beim Pferd
Die Nieren gehören neben Leber, Darm und Haut zu den wichtigsten Entgiftungsorganen des Organismus. Sie kontrollieren das Volumen und die Zusammensetzung der Körperflüssigkeiten. Ihre Hauptaufgabe besteht in der Ausscheidung stickstoffhaltiger Endprodukte, wie zum Beispiel Harnstoff aus dem Eiweißabbau.
Daneben haben sie weitere Aufgaben im Elektrolyt-, Säure-Basen- und Wasserhaushalt und sind am Knochenstoffwechsel beteiligt. Durch ihre Hormonproduktion haben die Nieren Einfluss auf den Blutdruck und die Bildung der roten Blutkörperchen.
Symptome eines Nierenversagens
Wenn die Nieren beim Pferd ihre Funktion einschränken oder versagen (Niereninsuffizienz), fällt das zunächst oft nicht gleich auf. Als paarig angelegtes Organ können sich die beiden Nieren oft gegenseitig in ihrer Wirkung unterstützen, so dass ein Schaden an diesem System nicht so schnell auffällt.
Zu den Symptomen des Nierenversagens kann gehören, dass zunächst nur die Harnmenge verringert ist (Oligurie) oder das Pferd zu häufig Harn absetzt (Polyurie). Im schlimmsten Fall kommt es zur Anurie - das Pferd ist nicht mehr in der Lage, Urin abzusetzen, die Nieren versagen. Die Folge davon sind vorwiegend am Unterbauch auftretende Wasseransammlungen (Ödeme). Das Haarkleid wird stumpf. Die Pferde können und wollen nicht mehr arbeiten und geraten in eine Art Depression. Der Gesichtsausdruck ist müde und schwermütig, was an der narkotisierenden Wirkung des Harnstoffs, der nun nicht mehr abtransportiert werden kann, liegt. Es kommt zu Appetitlosigkeit und Abmagerung.
Nierenversagen ist in der Regel die Folge von Blut- oder Wasserverlusten. Aber auch Kreislaufversagen oder Herzbeschwerden können auslösend für die Störungen sein. Der Tierarzt klärt bei Niereninsuffizienz ebenso den Verschluss der Harnwege ab.
Eine andere Form der Erkrankung der Nieren ist die Nierenentzündung (Nephritis), die Ausgangspunkt für eine chronische Niereninsuffizienz werden kann. Sie geht einher mit Abmagerung, Schwäche und Ödemen, sowie Fieber.

Die gefürchtete Hufrehe hat mit der Entgiftung des Körpers zu tun.
Wenn die Nieren degenerieren
Toxine oder eigene giftige Stoffwechselprodukte (sogenannte Noxen), schädigen die Niere und führen zum gefürchteten Nierenverschlag. Eichen, Gifte aus Schimmelpilzen (Aflatoxine), Bakteriengifte (z.B. Clostridien/Botulinum), Schwermetalle und Überdosierungen von Vitamin D3 und Vitamin K, sowie viele Arzneimittel können die Niere schädigen. Es kann zur Nephrose kommen, einer Stoffwechselstörung, bei der sich die Niere krankhaft verändert. Der Tierarzt kann Blut, Eiweiß und Glucose im Urin feststellen. Fress- und Bewegungsunlust sollten den Tierhalter aufmerksam machen.
Feststellung einer Niereninsuffizienz
Um den Grad einer Störung oder sogar der Schädigung der Nieren zu beurteilen, wird die Blutuntersuchung als mögliche Diagnosemaßnahme herangezogen. Sind die Werte von Harnstoff (> 6,7 mmol/l) und Kreatinin (> 177 µmol/l) erhöht, ist Vorsicht angezeigt. Weitere Hinweise geben ein niedriger Natrium – und Chlorspiegel, eine erhöhte Kalium- und Phosphorkonzentration. Substanzen, die der Körper mit dem Urin ausscheiden muss, um eine übermäßige Konzentration im Organismus zu verhindern, werden als „harnpflichtige Substanzen“ bezeichnet. Für die Nierendiagnostik wichtig sind Kreatinin und Harnstoff.
Was ist Kreatinin?
Kreatinin ist die Ausscheidungsform von Kreatin, das sich als Energiereserve im Muskel befindet. Kreatinin wird über die gesunden Nieren mit dem Urin ausgeschieden. Da es als Stoffwechselprodukt fast vollständig filtriert wird, wird es zur Überprüfung der Nierenfunktion verwendet. Der Kreatininspiegel im Blutserum ist abhängig von der Muskelmasse, vom Lebensalter, vom Geschlecht und von der Nierenfunktion. Allerdings steigt der Kreatininspiegel erst ab einer Funktionseinschränkung der Nieren von über 50 Prozent an. Bei akutem Nierenversagen steigt der Kreatinin-Spiegel erst nach mehreren Stunden an. Der Harnstoff-Spiegel reagiert dagegen etwas schneller.
Was ist Harnstoff?
Harnstoff entsteht als Endprodukt im Eiweiß- und Aminosäurestoffwechsel. Aus dem Stickstoff, der beim Eiweißabbau anfällt, wird in der Leber Ammoniak gebildet. Aus Ammoniak (NH3) und Kohlendioxid (CO2) entsteht Harnstoff. Dieser wird zu 90 Prozent über die Nieren ausgeschieden, der Rest mit Schweiß und Darmsekreten.
Da Harnstoff in den Nieren aus dem Blut filtriert wird, ist er ein Parameter zur Beurteilung der Nierenfunktion. Allerdings kommt es erst bei einer Funktionseinschränkung von 50 bis 70 Prozent zu einem Anstieg des Harnstoffs im Blut. Der Harnstoffspiegel kann unabhängig von der Nierenfunktion in Fastenzeiten aufgrund des gesteigerten Eiweißabbaus erhöht sein.
Fütterung bei Nierenproblemen
Hat der Tierarzt ein Nierenproblem diagnostiziert, muss die Ernährung des Pferdes umgestellt werden. Dabei sind einige Vektoren zu beachten. Um die Niere zu entlasten, muss die Ernährung um Eiweiß und spezielle Mineralstoffe reduziert werden. Ebenso beachtenswert ist eine Reduktion jeglicher Schadstoffe, die über die Leber und zum Großteil dann auch über die Niere entsorgt werden. Dazu gehören Bakterien- und Schimmelpilzgifte, zum Beispiel aus Heu, Stroh oder Getreide.
Die Gestaltung einer eiweißarmen Fütterung beginnt mit der richtigen Auswahl des Raufutters. Der Vorteil spät geernteten Heus liegt im geringen Eiweißanteil. Allerdings birgt es den Nachteil einer Kontaminierung mit Schadbakterien oder Schimmelpilzen. Empfehlenswert sind daher in extremen Fällen eiweißarme Heucobs, die im Handel erhältlich sind. Gutes Futterstroh kann beigefüttert werden.
Eiweiß nur in hoher Qualität
Der Weidegang entfällt aufgrund der hohen Eiweißbelastung durch Wiesengras. Wenig, jedoch genug hochwertiges Eiweiß muss zur Verfügung stehen, um die Körperfunktionen zu erfüllen. Die Qualität des Eiweißes ist abhängig von der Zusammensetzung der Aminosäuren im jeweiligen Futtermittel. Die Qualität des Eiweißes kann über das Kraftfutter geregelt werden. Mais- und Weizenkeime liefern neben hochwertigen Aminosäuren und Ölen natürliche, fettlösliche Vitaminen und Spurenelemente. Kleine Mengen Erbsenflocken heben die Eiweißqualität ebenso. Einer Fütterung von ölhaltigen Futtermitteln ist im Gegensatz zu Leberproblemen nicht einzuschränken.
Getreide ist nicht gleich Getreide
Getreide, vor allem der Hafer, enthält relativ hohe Eiweiß- und Phosphatgehalte. Von allen Getreidearten ist Mais am eiweißärmsten. Daher eignet sich der Mais sehr gut in solchen Krisensituationen. Allerdings ist der hydrothermische Aufschluss des Maiskorns obligat. Zu berücksichtigen ist die geringe Eiweißqualität bei Mais. Die Vorteile dagegen liegen im hohen Energiegehalt.
In Fällen schwerer Niereninsuffizienz muss die Zufuhr von Kalium und Natriumchlorid deutlich reduziert werden. Diese ist nur im Falle von Kochsalz leicht zu realisieren. Da aber Kalium in großen Mengen im Heu enthalten ist, ist es extrem schwierig, die Kaliumzufuhr pferdegerecht zu senken.
Die rechtzeitige Behandlung durch den Tierarzt und die strikte Einhaltung der Nierendiät kann Besserung und auch Ausheilung für das Pferd bedeuten. Das Versagen der Nieren jedoch hat rasch den Tod des Tieres zur Folge.
A. Returner










