Wir ernähren "alte das Pferd"


 

Ein graues Haar ...
..wieder geht ein Jahr

Wer sein Pferd liebt und nicht mehr vorhat, es abzugeben, der muß sich mit den Folgen des Älterwerdens auseinandersetzen. Rein äußerlich erkennt man diesen Prozeß an Änderungen in der Farbe und Struktur der Fellbeschaffenheit. Das Winterfell kündigt sich früher an, das Deckhaar wird allgemein länger und der Fellwechsel im Frühjahr zieht sich hin bis April. Die ersten grauen Haare zeigen sich im Gesichtsbereich, ebenso können Farbveränderungen auftreten. Der Bewegungsablauf wird stumpfer. Die ersten Schritte aus dem Stall sind klamm und die Zeit, in der sich das Pferd warm- bzw. einläuft, wird immer länger.



Die Sünden der Jugend
Die „Sünden der Jugend“, wie Überlastungen, häufiger Turniereinatz, verschleppte Infekte oder eine nicht bedarfsgerechte Fütterung zeigen sich nun im Alter als chronische Erkrankungen. Spat, Arthrose, Bronchitis, Verdauungsprobleme oder Altersekzem schleichen sich ein und beeinträchtigen das Wohlbefinden des Pferdes.

60zig Jahre und kein bißchen Weise…
... das gilt manchmal auch für den Pferdesenioren. Seine Lebenserfahrung hat ihn klug und manchmal auch gewitzt gemacht. Als alter Hase weiß er, was er von seinem Reiter zu erwarten hat oder was der von ihm will. Ob er „seinem Herren“ folgt, ist seine Ermessenssache. Das ältere Pferd hat aber ebenso große Vorteile. Seine Zuverlässigkeit und Lektionstreue machen ihn zum idealen Freizeitpartner. Willig übernimmt er die Verantwortung für den Reitanfänger. Wortloses Verstehen in kritischen Situationen macht die Partnerschaft zwischen Reiter und Pferd entspannt und sicher.
Natürlich hat das in die Jahre gekommene Pferd Schwierigkeiten, wenn die verlangten Lektionen seinen alten Körper überstrapazieren. Wenn er Glück hat, ist dies seinem Reiter bereits bekannt und es ist nicht tragisch, daß er bestimmte Aufgaben nicht mehr mit dem Schwung und der Elastitzität eines Athleten ausführen kann, für die er einst so bewundert wurde. Aber dafür gehören manche Auseinandersetzungen der Vergangenheit an. Über die Jahre ist eine tiefe Verbundenheit zwischen Reiter und Pferd entstanden. Zusammengeschweißt durch die Höhen und Tiefen des Lebens kann sich der eine auf den anderen verlassen. Entspannte Ausritte, befriedigende Dressurstunden oder einfach nur die Gewissheit, sich auf den anderen verlassen zu können, sind nur ein Bruchteil der Vorteile, die an dieser Stelle aufgezählt werden könnten.

Seniorenkost
Die Zeichen der Zeit können aber herausgezögert werden. Dazu trägt eine bedarfsgerechte Ernährung bei. Mit dem Alter ändern sich die Nährstoffbedürfnisse des Pferdes. Wie beim Menschen wird der Energiebedarf geringer, da der Grundumsatz sinkt. Es steigt jedoch der Bedarf an qualitativen Vitalstoffen, wie essentiellen Aminosäuren, Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen. Bei den Mengenelementen ist besonders auf die Deckung des Bedarfs an Magnesium zu achten. Magnesium ist u.a. wichtig für die Herzfunktion. Insbesondere in Verbindung mit dem Muskelvitamin E können angelaufene Beine und Wetterfühligkeit vermieden werden. Der Bedarf an Spurenelementen, insbesondere an Zink, Kupfer, Selen, Mangan und Cobalt steigt. Wird der Bedarf nicht gedeckt, kommt es zu schlechterem Hufwachstum, Fellproblemen, Störungen im Fellwechsel, Juckreiz, Ekzembildung, Infektanfälligkeit, aber auch Abmagerung und Appetittlosigkeit.

Abmagerung ist ein typisches Problem für ganz alte Pferde. Zahnprobleme erkennt man durch langsames Fressen oder die sogenannte „Röllchenbildung“ beim Heufressen. Man beugt Zahnproblemen durch regelmäßige Tierarztkontrollen vor. Hat das Pferd bereits wichtige Zähne verloren und ist nicht mehr in der Lage, Heu in seiner natürlichen Struktur zu fressen, müssen sinnvolle, gesunde Rauhfutteralternativen gefunden werden. Der Rauhfutterbedarf von 1,5 kg Rauhfutter pro 100 Kilogramm Lebendgewicht kann nicht mit Gras alleine gedeckt werden! Erst nach einer Aufwuchshöhe von 30 cm bietet Gras genügend Struktur für die Verdauung des Pferdes. Aufgeweichte Qualtitäs-Wiesencobs (10% Rohprotein) können langfristig als Heuersatz gefüttert werden. Dabei ist bei den Heucobs auf genügend Struktur zu achten.

Ein beim Pferd durch jahrelange Getreidefütterung oder mangelnde oder schlechte Rohfaserfütterung, sowie eine Überversorgung mit industriellem Mineralfutter entstandener Zinkmangel führt ebenso zur Abmagerung. Oft werden auch Verdauungsstörungen wie Fehlgärungen beim alten Pferd beobachtet. Die regelmäßige Fütterung von Mash, Hefen und Spurenelementpräparaten können hier Abhilfe leisten. Bewegungsstörungen durch altersgemäße Abnutzung führen oft zur reiterlichen Unbrauchbarkeit des Pferdes. Auch hier können spezielle Ernährungsmaßnahmen fruchten, wie z.B. der Einsatz von meeresfrüchtehaltigen Spezialitäten und Algenbestandteilen. Allgemeinem Vitalitätsverlust sowie altersbedingtem Muskelabbau kann mit der Verfütterung geringer dosierter Hochleistungsfutter mit hochwertigen Eiweißkomponenten entgegengewirkt werden.

Zusammenfassend kann davon ausgegangen werden, daß eine rauhfutterreiche, getreidereduzierte und vitalstoffreiche Ernährung, sowie eine auf den individuellen Nährstoffbedarf ange- paßte Fütterung das Pferd lange gesund und mit gutem Wohlbefinden erhält. Daß sich der Senior an manchen Tagen nicht ganz so wohl fühlt, sollte ihm einfach nachgesehen werden.

Dr. Susanne Weyrauch

 

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