Insulinresistenz beim Pferd - und jetzt?

In den letzten Jahren gelang es Tierärzten und Ernährungswissenschaftlern die rätselhaften Umstände der Insulinresistenz teilweise zu entschlüsseln. Doch aufgrund der Komplexität der Insulinresistenz gibt es nach wie vor Unklarheiten. Wir versuchen hier einige Fragen rund um die Insulinresistenz zu klären.

Was geschieht nach der Nahrungsaufnahme mit den aufgenommenen Kohlenhydraten?

Kohlenhydrate werden Darm durch Enzyme zu Einfachzuckern = Glucose gespalten. Glucose ist eine der Hauptenergiequellen durch die die meisten Körperzellen angetrieben werden. Nach der Nahrungsaufnahme steigt der Blutglucosespiegel an, daraufhin schüttet die Bauchspeicheldrüse Insulin aus. Es fördert die Aufnahme der Glucose aus dem Blut in Muskel- und Fettzellen, wodurch der Blutzuckerspiegel im Blut wieder sinkt. Durch Überernährung und/oder Bewegungsmangel kann es in Folge einer Verfettung zu einer Insulinresistenz kommen (siehe Abb.).

Was ist die Insulinresistenz?

Einfach ausgedrückt ist die Insulinresistenz eine Fehlfunktion von Körpergewebe bei seiner Reaktion auf das Hormon Insulin. Eine Insulinresistenz tritt auf, wenn die Zellen weniger empfindlich gegenüber Insulin werden, wodurch die Aufnahme von Glucose in die Zellen begrenzt wird. Wenn dies passiert, produziert die Bauchspeicheldrüse immer mehr Insulin, um die Glucose aus dem Blut in die Zellen zu transportieren. Durch die Insulinresistenz, sammelt sich die Glucose im Blut und ist nicht für die Zellen verfügbar ist.

 

Die Anzeichen und Folgen einer Insulinresistenz können sein:

  • Hufrehe
  • Schnelle und/oder kontinuierliche Gewichtszunahme
  • Fettablagerungen am Mähnenkamm, Schultern, Widerrist, Kruppe und am Schweifansatz (auch bei schlanken Pferden)
  • Abnormal schnelle Gewichtszunahme nach einer Reduzierung des Trainingspensums
  • Leistungseinbruch

 

Wie wird die Insulinresistenz diagnostiziert?

Nach einem Sichtbefund (der oben beschriebenen äußeren Merkmale) die für eine Insulinresistenz sprechen könnten, wird sie durch eine Blutprobe vom Tierarzt diagnostiziert. Der einfachste Test ist die Nüchtern-Insulin- und Glucose-Bestimmung. Des Weiteren gibt es den Glucose-Toleranztest (GTT) und den kombinierten Glucose-Insulin-Test (cGIT). Dabei wird dem Pferd einmal nur Glucose beim GGT und Glucose und Insulin beim cGIT intravenös verabreicht. Anschließend wird der Blutzucker- und Insulinspiegel (Insulinspiegel nur bei cGIT) zu bestimmten Zeitpunkten gemessen. Bei einer Insulinresistenz kehren die Glucose- bzw. Insulinwerte nach den definierten Zeitpunkten nicht zurück in den Normbereich.

 

Was sind die Risikofaktoren?

  • Überernährung
  • Zu wenig Bewegung
  • Genetische Veranlagung (Ponys, leichtfuttrige Rassen)

 

Was muss man bei einem Pferd mit Insulinresistenz beachten?

Sobald die Diagnose gestellt wurde, ist die Ernährung des Pferdes umzustellen. Eine zucker- und stärkereduzierte Fütterung ist notwendig. Bei kräftigen Pferden empfiehlt sich eine angepasste Fütterung mit Heu, Equigard und Glucogard.

  • Achten Sie auf Futtermittel mit einem niederglykämischen Index
  • Pferde die nicht lahmen sollten regelmäßig bewegt und gearbeitet werden
  • Das Heu sollte ca. eine Stunde gewässert werden, um Fruktan auszuwaschen
  • Bei der Gefahr von Hufrehen ist der Weidegang einzuschränken (1-2 Stunden) oder ganz einzustellen
  • Auf zuckerhaltige Belohnungen verzichten
  • Sichern Sie die Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen

 

Über die genauen Mechanismen wie es durch eine Insulinresistenz zu Hufrehen kommt konnte noch nicht geklärt werden. Vermutlich verringert der Zustand der Insulinresistenz die Glucoseverfügbarkeit der Kreatininozyten (= Hornbildende Zellen) im Huf, wodurch die Verbindungen geschwächt werden. Auch eine mangelnde Durchblutung durch den Einfluss von Insulin auf die Gefäße wird diskutiert. Weitere Theorien besagen, dass zu hohe Kohlenhydrat aufnahmen, intestinale Endotoxine und vom Fettgewebe produzierte Entzündungsmediatoren an einem Ausbruch von Hufrehen beteiligt sein können.

 

Quelle: KER, Löffler und Gäbel (2008): Anatomie und Physiologie der Haustiere, Idexx Laboratories (2010): Das Equine Metabolische Syndrom, C.A. Bingold (2013)

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