St. Hippolyt Futter ABC: G wie Gras

G wie Gras


Gräser stellen den Großteil unseres Grünlands dar und bestimmen somit die Qualität des Grundfutters unserer Pferde. Neben Gräsern besteht eine Weide noch aus Kleeartigen (z. B. Weißklee, Zaunwicke, etc.) und Kräutern (Löwenzahn, Schafgarbe, Spitzwegerich, etc.). Die flächenmäßige Verteilung von Gräsern, Kräutern und Kleeartigen ist von Boden, Klima und Nutzung abhängig. Umso vielseitiger das Weideland zusammengesetzt ist, desto positiver wirkt es sich auf das Nährstoffangebot aus. Die Mineralstoffgehalte der Weidegräser sind je nach Region und Düngung dennoch sehr unterschiedlich. Calcium, Phosphor und Magnesium sind in der Regel ausreichend im Weidegras vorhanden, Natrium meistens zu wenig und Kalium (variierend je nach Düngung) im Überschuss. Spurenelemente wie Zink, Kupfer und Selen sind in Abhängigkeit von den Bodenverhältnissen nur marginal enthalten. Daher sollte bei reiner Weidehaltung bzw. Heufütterung auf die Zugabe eines Mineralfutters geachtet werden, damit es nicht zu Mangelerscheinungen kommt.

Gräser lassen sich in Obergräser und Untergräser unterscheiden.

Obergräser (lange Halme/hohe Blütenstände, relativ geringer Blattanteil): Wiesenschwingel, Wiesenlieschgras, Wiesenfuchsschwanz, Glatthafer, Goldhafer, Knaulgras, etc.

Untergräser (kürzere Halme, mehr Blattanteil):Deutsches Weidelgras, Wiesenrispe, Gemeine Rispe, Rotschwingel, etc.

 

Welche Risiken sind bei Grasaufnahme bzw. Weidegang zu beachten?

Weidegang gilt Studien zu Folge in 54 % der Fälle als Ursache für eine fütterungsbedingte Hufrehe. Dies betrifft meistens übergewichtige und/oder bereits stoffwechselgestörte Pferde. In den letzten Jahren wurde auch den Fructanen eine größere Bedeutung beigemessen. Fructane sind Ketten von Fructosemolekülen. Diese langkettigen Kohlenhydrate sind eine kurzfristige Speicherform von Zucker, vor allem im Stängel der Pflanze. Der Zucker dient als Energielieferant und lässt die Pflanzen wachsen in dem Strukturkohlenhydrate (u. a. Cellulose, Hemicellulose) als Gerüstsubstanzen aufgebaut werden. Ist bei bestimmten Wetterbedingungen (Kälte, Trockenheit) kein Wachstum der Pflanze möglich, speichert sie den Zucker in Form von Fructanen.

Lange standen Fructane, als „Zucker“, an erster Stelle in Verdacht einen lebensbedrohlichen Hufreheschub auslösen zu können, aber im Gegensatz zu Zucker und Stärke haben Fructane kaum eine Auswirkung auf den Insulinspiegel, denn die aufgenommenen Fructane werden hauptsächlich im Dickdarm durch Mikroorganismen fermentiert. Das Risiko für eine Stoffwechselentgleisung besteht darin, dass an der Fermentation hauptsächlich Bakterien der Gattung Streptococcus beteiligt sind, die bei der Fermentation der Fructane Lactat (Milchsäure) bilden. Lactat führt zum Absinken des pH-Werts des Dickdarminhalts, was zu einer Übersäuerung (Dickdarmazidose) führen kann. Durch das saure Dickdarmmilieu können massenhaft Darmbakterien zugrunde gehen, die dann Toxine freisetzen. Diese Endotoxine, Amine und Enzyme passieren die Darmwand und werden über Blutgefäße weiter bis zur Huflederhaut transportiert. Die Huflederhaut entzündet sich und mit der daraus resultierenden Zerstörung der Verbindungsschicht zwischen Hufbein und Hornkapsel kann ein akuter Hufreheschub entstehen.

Um die Aufnahme von Fructanen so gering wie möglich zu halten, sollten einige Faktoren berücksichtigt werden: 

  • Pflanzenart: der Fructangehalt auf europäischen Pferdeweiden variiert beträchtlich, vor allem Deutsches und Welsches Weidelgras enthält viel Fructane. Für die Pferdefütterung besser geeignet wären fructanarme Gräser wie Wiesenlieschgras, Rotschwingel und Wiesenfuchsschwanz.
  • Tages- und Jahreszeit: höhere Fructanwerte im Frühjahr und Herbst.
  • Vegetationsperiode: während der Bildung von Blüten und Samen kommt es zu einer Abnahme der Fructangehalte.
  • Klima: Temperatur (Frostnächte, gefolgt von sonnigen Tagen), Lichtintensität (durch intensive Sonne wird Fructan in der Pflanze abgebaut), Regenintensität (andauernde Trockenheit). Wird das Wachstum der Pflanze durch zu wenig Regen, zu wenig Sonne oder zu kalte Temperaturen gehemmt, steigt der Gehalt an Fructan im Gras.
  • Weidemanagement: intensive Düngung und Nutzung der Weiden verändern den Fructangehaltes des Grases.

 

FructanNeben Fructanen sind Endophyten im Weidegras ein weiteres, oft unterschätztes Gesundheitsrisiko für unsere Pferde. Zur Abwehr von kleinen Fraßfeinden (Insekten und Würmern) haben unsere wichtigsten Wirtschaftsgräser, Deutsches Weidelgras und Wiesen- bzw. Rohrschwingel, eine erfolgreiche Verteidigungsstrategie entwickelt. Sie schützen sich durch die Vergesellschaftung mit endophytischen Pilzen der Gattung Neotyphodium. Womit die Gräser Insekten fernhalten, beeindruckt unsere Pferde allerdings wenig und auch für den Pferdebesitzer sind Endophyten mit dem bloßen Auge nicht sichtbar. Die Mikroorganismen leben zwischen den Pflanzenzellen und lassen sich nur unter dem Mikroskop erkennen. Neotyphodium ist eng mit den Mutterkornpilzen verwandt, deren hochwirksame Gifte bereits im Mittelalter bekannt waren.Die gefährlichen Gifte entstammen dem Stoffwechsel der Endophyten und sorgen je nach Giftstoffklasse für unterschiedliche Symptome. Die Weidelgras-Taumelkrankheit (Perennial Ryegrass Staggers) verursacht Zittern, Headshaking, Krämpfe, Desorientierung, Ataxie und Lähmungen. Zu den Symptomen einer Tall Festcue Toxicosis gehören: massives Speicheln, Koliken, Durchfall, Krämpfe, Ausschuhen, Hufrehe, Aborte, Abmagerung und Leistungsschwäche. Eine geringe aber stetige Aufnahme von belastetem Weidegras führt kurzfristig zu Verdauungsproblemen wie Kotwasser und Durchfall und langfristig zu schlechten Leberwerten sowie einem geschwächten Immunsystem.

 

Welche Lösungsansätze gibt es?

  • Weidemanagement:
    • Endophytenfreies Saatgut einsäen, denn häufig ist bereits das Saatgut mit Endophyten infiziert.
    • Weniger anfällige Gräsersorten verwenden, dazu gehören z. B. Wiesenlieschgras und Wiesenfuchsschwanz.
    • Stress der Gräser vermeiden, frühzeitiger Weidewechsel, auf eine ordnungsgemäße Düngung achten.

  • Nutritive Unterstützung:
    Die Ergänzung von Tonmineralen zum Binden der Toxine im Verdauungstrakt vermindert eine Aufnahme in die Blutbahn. Auch bioaktive Zellwandbestandteile von Hefen und Milchsäurebakterien, sekundäre Pflanzenstoffe und funktionelle Faserstoffe schützen das Darmmikrobiom vor oral aufgenommenen Toxinen.

  • Richtig Anweiden:
    • Vor dem Weidegang genügend Heu füttern
    • Kein Kraftfutter direkt vor oder nach dem Weidegang
    • Frisches Wasser zur Verfügung stellen
    • Das Gras sollte ca. 15 cm hoch gewachsen sein
    • Besondere Vorsicht ist bei leichtfuttrigen Pferden und Ponys die zu Hufrehe neigen geboten - bei diesen sollte Weidegang gründlich überlegt sein
    • Kontrollieren Sie Ihre Weiden auf Giftpflanzen - vor allem Bergahornkeimlinge während des Frühjahrs
    • Richten Sie genügend Zeit für das Anweiden ein. In der Regel dauert dies ca. vier Wochen, in denen man die Aufnahme von Weidegras langsam steigert.

    Tipps zum Anweiden

 

Fütterungsempfehlungen zum Anweiden

HefekulturHefekultur

  • Lebendhefekulturen zur Verbesserung der fermentativen Verdauung
  • Unterstützt und fördert gezielt das intestinale Mikrobiom
  • Bei Verdauungsproblemen und zur besseren Rohfaserverwertung


Irish Mash

  • Aktiviert Stoffwechsel und Verdauung
  • Darmreinigend, verdauungsfördernd und diätisch konzipiert
  • Schnelle Zubereitung, auch mit kaltem Wasser möglich
  • Hervorragende Akzeptanz


Glyx-Mash

  • Getreide-,gluten- und melassefrei
  • Niederglykämischer IndexRobusan
  • Prebiotisch und entschlackend


Robusan

  • Bei hartnäckigem Kotwasser & gereiztem Darm
  • Fördert die physiologische Darmflora für eine gesunde Verdauung
  • Über 80 natürliche Gewürze & Kräuter optimieren die Darmflora
  • Leichte Handhabung durch Riegelform


brandon® plus medigest

  • Bei Kotwasser
  • Physikalische Bindung
  • Zur Förderung der Regeneration des Darmepithels
  • Aktivierung des darmassoziierten Immunsystems
  • Bei Unruhe
  • Bei sehr hartnäckigen, bereits länger bestehenden Fällen von Verdauungsstörungen empfehlen wir die Zufütterung mit Brandon® plus medigest forte zu beginnen und später auf Brandon® plus medigest umzusteigen

 

Persönliche Futterberatung

Gerne stehen wir Ihnen für eine persönliche Futterberatung und individuelle Produktkombination zur Verfügung.
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E-Mail: info@st-hippolyt.de

Ihr St. Hippolyt Team



Literatur:

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Ince, J.C., Longland, A.C., Moore-Colyer, M.J.S. & Harris, P.A. (2013): In vitro degradation of grass fructan by equid gastrointestinal digesta. Grass and Forage Science, 69(3), 514-523.
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Longland, A.C., Ince, J.C., Moore-Colyer, M.J.S. & Harris, P.A. (2012): Degradation of grass and grass fructan by equine gastrointestinal digesta in vitro. In: Forages and Grazing in Horse
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Milinovich, G.J., Burrell, P.C., Pollitt, C.C., Klieve, A.V., Blackall, L.L., Ouwerkerk, D., Woodland, E. & Trott, D.J. (2008): Microbial ecology of the equine hindgut during oligofructoseinduced laminitis. The ISME Journal, 2(11), 1089–1100.
Van Eps, A.W. & Pollitt, C.C. (2006): Equine laminitis induced with oligofructose. Equine Veterinary Journal, 38(3), 203-208.
Vanselow, R. (2014): Alarmierend hohe Giftgehalte in deutschen Futtergräsern. Starke Pferde, 69(1), 94-96.
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